Energiewende
Andere Länder, andere Sorgen

Die deutsche Energiewende taugt nicht als Blaupause für andere Staaten. Im Ausland wird das Projekt zwar mit großem Interesse diskutiert, bewundert und kritisiert. Doch leisten kann man es sich in der Regel nicht.
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Berlin ist eine Million Einwohner größer als Daegu, und Deutschlands politische Metropole ist global betrachtet bedeutender als die drittgrößte Stadt Südkoreas. Für die Energiewirtschaft ist Daegu in diesen Tagen aber die Hauptstadt. Während in Berlin über die deutsche Energiewende gestritten wird, diskutieren die Teilnehmer der Weltenergiekonferenz in Daegu über nicht weniger als die Zukunft der Energieversorgung auf diesem Planeten.

Im 8000 Kilometer entfernten Daegu spielt die heimische Energiewende zwar durchaus eine Rolle. Das deutsche Projekt, innerhalb eines Jahrzehnts komplett aus der Kernenergie auszusteigen und die Stromversorgung radikal auf erneuerbare Energien umzustellen, wird auch mit großem Interesse diskutiert, bewundert und kritisiert. Gemessen an den globalen Herausforderungen ist die "Energiewende made in Germany" aber eine Randnotiz - und als Blaupause für die Weltwirtschaft taugt das deutsche Modell nur bedingt. Deutschland gibt dem Umwelt- und Klimaschutz in seiner Energiepolitik in einem Ausmaß Priorität, wie es sich die meisten Staaten der Welt schlichtweg nicht leisten können.

Die Sicherung der Energieversorgung und der Klimaschutz werden angesichts der stetig wachsenden Erdbevölkerung und des wirtschaftlichen Aufschwungs in den großen Schwellenländern zu den wichtigsten Fragen der nächsten Jahrzehnte gehören. Insofern hat der deutsche Weg schon Vorbildcharakter. Das Thema Energie steht seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Vordergrund, die nun eingeleitete radikale Wende wird von einer breiten Schicht der Bevölkerung und allen Parteien getragen.

Die ehrgeizigen Ziele zum Umstieg auf erneuerbare Energien und bei der Energieeffizienz sind angesichts beschränkter Ressourcen von Kohle und Gas auf der einen Seite verständlich und angesichts des Klimawandels auf der anderen Seite auch vernünftig. Klimawandel und die Reduktion der Treibhausgase stehen schließlich auch in Daegu ganz oben auf der Agenda. Wie drängend das Problem ist, zeigt eine neue Studie des Weltenergierates: Das Ziel, die weltweiten Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu senken, ist nicht zu erreichen. Im schlimmsten Fall werden sie sich sogar um rund 45 Prozent erhöhen.

Im globalen Maßstab fallen die Erfolge, die Deutschland bei Umweltschutz und Energiesparen hat, aber nicht ins Gewicht. Vor allem aber werden die meisten Staaten das Tempo bei der Energiewende nicht annähernd gehen können - und schon gar nicht denselben Aufwand betreiben können.

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