Energiewende
Beim Heizen geizen

Die Unternehmen ächzen unter der Energiewende. Doch wenn die gelingen soll, muss die Verbraucherseite verstärkt in Angriff genommen werden. Letztlich entscheiden die Konsumenten, ob die Energiewende gelingt.
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Steigende Strompreise sind für immer mehr Unternehmen in Deutschland eine Wachstums- und Wettbewerbsbremse. EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Wirtschaftsverbände warnen die Politik bereits vor einer „Deindustrialisierung“. Müssen wir uns von dem Ziel, die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um mindestens 40 Prozent (bis 2020) und um 80 Prozent (bis 2050) zu reduzieren, verabschieden? Ja, wenn wir die Energiewende weiterhin einseitig über die Energieerzeugerseite angehen. Nein, wenn wir die Verbraucherseite verstärkt in Angriff nehmen.

Der sauberste Strom ist immer noch der, der nicht gebraucht wird. Neben der Industrie ist der private Haushalt der größte Verbraucher von Strom, Gas und Heizöl in Deutschland. Heizen, Warmwasser, Kochen und Kühlen machen fast 100 Prozent des privaten Energieverbrauchs aus. Beim Thema Einsparungen und Effizienz entscheidet sich, ob wir unsere CO2-Ziele erreichen oder nicht. Die aktuelle Diskussion um eine Reform des EEG und den Ausbau der Erneuerbaren blendet diese Tatsache völlig aus. Deutschland könnte seinen Energieverbrauch in den nächsten Jahren zwischen 30 und 40 Prozent durch Modernisierungsmaßnahmen in privaten Haushalten reduzieren.

Ein wesentlicher Verursacher des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen ist der Gebäudesektor. Fast 40 Prozent des Endenergieverbrauchs entfallen auf diesen Bereich. Bis zu 75 Prozent der in einem Wohngebäude eingesetzten Energie werden für Heizung, Klimatisierung und Lüftung benötigt. Bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs nicht sanierter Gebäude könnten in Deutschland eingespart werden. Warum stagniert die Sanierungsrate seit Jahren? Weil die für die Gebäudesanierung vorgesehenen Fördermittel zu gering und die Laufzeiten der Kredite zu lang sind.

Die Energiewende beim Verbrauch können wir durch zwei Maßnahmen schaffen. Erstens: Eine Beschleunigung des Sanierungstempos führt zu einer Verdopplung der Sanierungsquote. Zweitens: Die Amortisationszeit muss kürzer werden, damit sich die erforderlichen Investitionen im Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten lohnen. Die Politik setzt die falschen steuerlichen Anreize und verschwendet Milliarden Euro beim Ausbau der Elektromobilität. In den vergangenen beiden Jahren war es allein eine Milliarde Euro. Das sind bei momentan 13.000 E-Autos auf deutschen Straßen rund 70.000 Euro pro Auto!

Infografik Der große Umbau



Dabei belegen seriöse Berechnungen, dass das Elektroauto hierzulande eine 1,6-mal so schlechte CO2-Bilanz hat wie ein vergleichbares Fahrzeug mit modernem Verbrennungsmotor. Alle Emissionen, die bei der Erzeugung des Stroms entstanden sind, gehen beim Elektroauto nicht in die Berechnung der Emissionen ein. Das Elektroauto leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz und ist für das, was es bietet, viel zu teuer. Elektromobilität wird aus reinen Image- und Marketinggründen betrieben und ist ein Beispiel für eine verfehlte Energiepolitik.

„Glamour bei der Elektromobilität und Geiz beim Verbrauch“ – das sind die falschen politischen Botschaften, wenn es um den Klimaschutz geht. Es sind die Häuser und Hütten, die in den Fokus der deutschen Energiepolitik gehören. Die Energiewende muss zu Hause beginnen!

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