ENERGIEWENDE
Bürger produzieren Strom selbst

Einer Umfrage zufolge rechnen Energie-Manager für die nächsten Jahre mit einem Stromabsatzverlust. Grund ist der Trend zur Eigenerzeugung, die für Privatleute immer attraktiver wird.
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BerlinDie Stromproduktion im eigenen Haus wird immer attraktiver und beschert etablierten Energieunternehmen spürbare Absatzverluste. Das zeigt eine Umfrage des Beratungsunternehmens Celron für das Forum für Zukunftsenergien, die dem Handelsblatt vorliegt. Celron hat eine repräsentative Gruppe von Führungskräften aus Energieunternehmen befragt. Die Manager rechnen bis 2020 mit einem Stromabsatzverlust von elf Prozent. Das entspricht einem Umsatzverlust von gut acht Milliarden Euro pro Jahr.

Ausschlaggebend für die Entwicklung ist der Trend zur Eigenerzeugung. Die Kosten für dezentrale Stromerzeugungsanlagen sinken, zugleich fallen die Preise für Batteriespeicher stark. Strom lässt sich daher mittels Photovoltaik auf dem Hausdach oder mit einer Strom produzierenden Heizungsanlage im Keller unterhalb der Kosten für den Strombezug aus dem öffentlichen Netz herstellen.

Die Autoren prognostizieren, die Selbsterzeuger entwickelten sich zu einer neuen "Marktmacht, die einen Platz im Mittelfeld unter den Top Ten der deutschen Energieunternehmen einnehmen wird". Je mehr Strom daheim hergestellt wird, um so attraktiver wird dieses Modell: Für den in kleinen Anlagen selbst hergestellten Strom fallen die Umlagen weg, etwa für die Förderung erneuerbarer Energien und für die Netzentgelte. Im Umkehrschluss steigt die Umlage für die übrigen Verbraucher, die ihren Strom auf herkömmlichem Wege beziehen. Dadurch steigt wiederum die Attraktivität der Eigenerzeugung.

Die Energieunternehmen müssen sich angesichts der Entwicklung nach neuen Geschäftsfeldern umschauen. Die befragten Manager sehen Chancen im Bereich der Energiedienstleistungen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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