Energiewende umgekehrt
Die Renaissance der Kohle

Der Ausbau grüner Energien boomt. Aber auch die Stromproduktion in Kohlekraftwerken. Kommt bei der Energiewende der angepeilte Klimaschutz unter die Räder?
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BerlinDie Bahn fährt mit Ökostrom. Der Bundestag bezieht ihn. Und 25 Prozent des Stroms, der in deutschen Haushalten beim Saugen und Fernsehen verbraucht wird, ist schon grün. Schöne neue Welt? „Die Energiewende ist ja nicht irgendeine Erfindung. Wir machen sie deshalb, weil wir glauben, etwas für unser Klima tun zu müssen“, erklärte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) Anfang Mai dem Millionenpublikum der ZDF-„heute-show“. Wenn Deutschland und Europa es nicht schafften, Vorreiter beim Klimaschutz zu bleiben, dann laufe alles weltweit in eine „dramatisch falsche Richtung“. Das Blöde nur: In Deutschland steigen durch die Energiewende gerade die Emissionen.

Nach Angaben der AG Energiebilanzen stieg 2012 die Stromgewinnung in Braunkohlekraftwerken um 8,9 Milliarden Kilowattstunden (kWh) auf 159 Milliarden - bei der Steinkohle waren es mit 118 Milliarden 5,6 Milliarden kWh mehr. Allein die klimaschädliche Braunkohleverstromung stieg damit um fünf Prozent.

Bei der klimafreundlichen Stromgewinnung in Gaskraftwerken gab es hingegen ein Minus von 12,5 Milliarden kWh. Ein ähnliches Minus gab es wegen der Stilllegung von acht AKW bei der Atomkraft. Insgesamt lag das Wachstum bei der Kohleverstromung noch über dem bei Windkraft, Solarenergie, Biomasse und Wasserkraft.

Das Ergebnis in der deutschen Klimabilanz: Erstmals seit langem sind die Kohlendioxid-Ausstöße 2012 wieder gestiegen, um 2,2 Prozent. „Das ist ein Ausreißer in einer bisher positiven Entwicklung“, versucht Altmaier zu beschwichtigen.

Aber wie passt es dazu, was im CDU/CSU-Wahlprogramm steht? Mit Blick auf die Energiewende wird dort ausdrücklich betont: „Durch den Einsatz modernster Technologien kann auch die heimische Braunkohle eine wichtige Rolle spielen“. Auch die SPD ist kohlefreundlich, während die Grünen nach dem Atom- nun auch bis 2030 einen Kohleausstieg wollen. Das dürfte, sollte es für Rot-Grün bei der Bundestagswahl reichen, viel Zündstoff bergen.

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