Erneuerbare Energien
Die Energiewende frisst ihre Kinder

Beim Umbau der deutschen Stromerzeugung entstanden Tausende Jobs. Nun werden im großen Stil Mitarbeiter entlassen. Ein Ende ist laut Experten vorläufig nicht in Sicht. Doch es gibt auch Lichtblicke.
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DüsseldorfDie Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Mittwochabend meldetet das Vorzeige-Solarunternehmen Solarworld einen Verlust von bis zu 550 Millionen Euro für 2012, der chinesische Solarriese Suntech ging insolvent , Konkurrent LDK Solar ist seit Dienstag offiziell auf dem Weg dahin. Die Krise trifft auch die großen Energieversorger RWE, Eon und Vattenfall - sie bauen im großen Stil Stellen ab, Investitionen in die erneuerbaren Energien haben sie bereits drastisch gekürzt.

Auch die Solarfirmen First Solar aus den USA und SMA Solar aus Niestetal in der Nähe von Kassel streichen Arbeitsplätze. Nimmt man den Jobverlust allein dieser Firmen zusammen, wird es in den nächsten Jahren fast 17.000 Stellen weniger geben in der deutschen Energiebranche.

Die Energiewende frisst ihre Kinder. Und die Stellenstreichungen haben nicht nur persönliche Auswirkungen auf die Mitarbeiter. In Niestetal bei Kassel etwa ist eine ganze Gemeinde vom Zustand des Unternehmens SMA Solar abhängig. Der Wechselrichter-Hersteller ist der größte Gewerbesteuerzahler in dem Ort. So wurde im Sommer nach schlechten Zahlen des Unternehmens sogar eine Haushaltssperre verhängt und Ausgaben für ein neues Schwimmbad gekappt. Im aktuellen Haushalt klafft wegen der Steuerausfälle von SMA laut Informationen der lokalen Zeitung „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ ein Loch von 3,3 Millionen Euro.

Seit der Gründung im Jahr 1981 ging es bei SMA lange immer nur bergauf. Doch nun erreichen die aktuellen Entwicklungen in der Branche auch das Vorzeigeunternehmen.

Aber die Krise hat nicht nur etwas mit dem ganz normalen Konsolidierungsprozess in einer noch jungen Branche zu tun. „Bei den Solarunternehmen kamen noch zwei Faktoren hinzu: Zum einen die Finanzkrise“, sagt Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen und Professor für Management erneuerbarer Energien im Gespräch mit Handelsblatt Online.

„Plötzlich konnten Projekte nicht mehr finanziert werden, weil die Investoren kein Geld mehr hatten. Dazu kam dann ein enormer Preisverfall der Solarmodule von bis zu 50 Prozent pro Jahr. Das hatte man zuvor in fast keiner anderen Branche beobachtet.“

Zusätzlich verunsichert hätten die Investoren noch die Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen in einigen Ländern. So wurden neben Deutschland auch in den USA, Spanien oder Tschechien die Subventionen gekürzt.

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