Erneuerbare Energien
Europäische Energiewende in Sicht

Der Flickenteppich bei der Förderung von Solar- und Windenergie in Europa soll aufgelöst werden. Die EU verlangt von ihren Mitgliedern mehr Wettbewerb bei Ökostrom. Stromproduzenten wollen Geld für Reservekraftwerke.
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Mike Winkel ist optimistisch. Er sieht derzeit die Chancen steigen, "dass die deutsche Energiewende doch noch zu einer europäischen Energiewende wird". Was den Eon-Manager hoffnungsvoll stimmt, sind die Pläne des künftigen EU-Präsidenten Jean-Claude Juncker. Der hat als ein Topziel seiner Amtszeit ausgegeben, dass die EU weltweit führend bei den erneuerbaren Energien werden soll.

Derzeit sieht die Realität in Europa noch anders aus. "Jedes Land hat eine eigene Lösung für die Energiewende gefunden", sagte Winkel auf der Handelsblatt-Tagung "Erneuerbare Energien 2014" in Berlin. So gebe es einen Flickenteppich bei der Förderung von Strom aus Sonnen- und Windenergie. Er kritisierte einen "Trend zu nationalen Egoismen in der Energiepolitik".

Die EU-Kommission kritisiert zwar auch die Bestrebungen in den EU-Staaten, bei der Förderung der Erneuerbaren eigene Wege zu gehen, sieht die Unterschiede aber mehr im Detail als im Grundsätzlichen. So registriert Joachim Balke von der Generaldirektion Energie immer häufiger Prämienmodelle, die dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ähneln. Sogenannte Quotenregelungen, bei denen feste Ziele für Energieträger vorgegeben werden, seien dagegen tendenziell auf dem Rückzug.

Mehr Wettbewerb

Die EU-Kommission will aber dafür sorgen, dass die Förderung stärker den effizientesten Anlagen zugutekommt. Sie will durchsetzen, dass die Betreiber von Wind- und Solaranlagen sich Ausschreibungen stellen müssen. So sollen die Unternehmen ermittelt werden, die den Strom zu den niedrigsten Kosten produzieren. Die Fixierung auf Einspeisevergütungen hätte ein Ende.

Auch Deutschland beschreitet künftig diesen Weg. Eine entsprechende Regelung ist für 2017 im novellierten EEG in Grundzügen angelegt, muss aber in den nächsten beiden Jahren noch mit Inhalt gefüllt werden. Die Bestimmung wurde auch auf Druck der EU-Kommission aufgenommen. "Die Frage ist, ob wir das ohne die EU auch schon ab 2017 gemacht hätten", sagte Patrick Graichen, Direktor des Thinktanks Agora Energiewende. "Jetzt muss es darum gehen, das ordentlich zu regeln, so dass die Mengenziele für den Ausbau der Erneuerbaren erreicht werden und zugleich die Akteursvielfalt erhalten bleibt."

Denn Kritiker von Ausschreibungsmodellen führen an, diese würden grundsätzlich große Akteure begünstigen. Die gerade für die deutsche Energiewende typische Vielfalt der Betreiber von Solar- und Windenergieanlagen gehe verloren. Heute ist ein Großteil der Ökokraftwerke in Deutschland nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Trendresearch in der Hand von Privatleuten.

Die Versorgungssicherheit gewährleisten

Die Politik hat dieses Problem erkannt. So betonte Christian Pegel, Energieminister von Mecklenburg-Vorpommern in Berlin, sein Ziel sei es, auch künftig die Beteiligung von Bürgern zu ermöglichen.

Eon-Vorstand Winkel sieht noch ein anderes Problem, das eine europäische Energiewende lösen muss: "Wir müssen sicherstellen, dass künftig die Versorgungssicherheit gewährleistet ist." Denn der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommarkt steigt zwar. Aber Solar- und Windkraftanlagen können nicht garantieren, dass sie zu jeder Tageszeit ausreichend Strom produzieren. Im Januar etwa gab es Tage, an denen keine Sonne schien und wenig Wind wehte. "Deshalb brauchen wir konventionelle Kraftwerke, die diese Lücken schließen", sagte Winkel. Er forderte "eine anständige Vergütung für solche Reservekraftwerke". Frankreich und Großbritannien haben schon eine Lösung für diese Kapazitätsmärkte gefunden. Aber auch da hält er, wie bei den Förderbedingungen für erneuerbare Energien, eine gemeinsame europäische Lösung für sinnvoll.

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