Europas Energiewende
Kohle ist nicht unser Zukunftsgarant

Das Kohlezeitalter neigt sich dem Ende zu. Doch mit der Ukraine-Krise könnten die EU-Regierungschefs wieder verstärkt auf die Energieversorgung wie im 20. Jahrhundert setzen. Dabei sind deutsche Braun- und polnische Steinkohle sicher keine Zukunftsgaranten.
  • 9

Wenn die Staats- und Regierungschefs der EU in dieser Woche über die Klima- und Energiepolitik der Gemeinschaft bis 2030 debattieren, sollten sie einen Fehler auf keinen Fall machen: jenen reflexhaften Ratschlägen folgen, die unter dem Eindruck der Ukraine-Krise ihr Heil im Rückgriff auf die Energieversorgung des 20. Jahrhunderts suchen. Deutsche Braun- und polnische Steinkohle sind sicher nicht die Zukunftsgaranten, die wir brauchen.

Nicht erst seit der spektakulären Klimawende des amerikanischen Präsidenten und neuen Tönen aus China wissen wir, dass das Kohlezeitalter sich, wenn auch noch zögerlich, dem Ende zuneigt. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn jetzt der traditionelle klimapolitische Vorzeigekontinent Europa darauf beharrte, die Welt und Milliarden Menschen insbesondere im Süden des Planeten einem Klimaexperiment mit unkalkulierbarem Ausgang auszusetzen.

Zu viele selbst ernannte Ratgeber denken bei heimischen Rohstoffen zuerst an die Kohle, dann an Gas, das per Fracking aus der tiefen Erde geholt werden soll. Und einige denken sogar wieder an die „heimische Steinkohle“. Die in Zeiten des Klimawandels naheliegenden „heimischen Energiereserven“ kommen ihnen nicht in den Sinn: die unerschöpflichen Vorräte in Form von Wind und Sonne sowie das große Einsparpotenzial durch den intelligenten Umgang mit Energie.

Für dauerhafte Energiesicherheit in Zeiten politischer Spannungen müssen wir die Energiewende beschleunigen und nicht bremsen. Und wir müssen bei unseren Nachbarn Überzeugungsarbeit leisten, um sie zu europäisieren. Deshalb ist es so notwendig, dass wir in Europa drei ambitionierte Ziele bis 2030 verbindlich festlegen: die Senkung der Treibhausgase, die weitere deutliche Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien sowie die Verbesserung der Energieeffizienz.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Klimaschutz sich auszahlt. Eine konsequente Umstellung auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz würde volkswirtschaftliche Vorteile bringen: Die Kosten erneuerbarer Energien sinken immer weiter.

Die Nicht-Energiewende wäre teuer: Wenn wir weitermachen wie bisher, müssen wir Geld für Infrastruktur, neue Kraftwerke und immer weiter steigende Kosten für fossile Energien aufbringen. Die Abhängigkeit von Energieimporten würde sich verschärfen und teurer werden, weil die auf dem Territorium der EU geförderten fossilen Brennstoffe in den kommenden Dekaden stetig zurückgehen und die Energiepreise auf den Weltmärkten deutlich steigen. Eine solche Entwicklung wäre auch aus Gründen der Versorgungssicherheit fahrlässig.

Infografik Wo Deutschland dringend aufholen sollte



Eine konsequente Fortsetzung der in Deutschland und anderen Mitgliedstaaten eingeleiteten Energiewende würde die Energieimportrechnung der EU bis 2050 um mehr als 500 Milliarden Euro jährlich entlasten. Sie würde auf mittlere und lange Sicht die Wettbewerbsfähigkeit der EU stärken, die Beschäftigung erhöhen, die Energieversorgung dauerhaft sichern und die Welt insgesamt zu einem sichereren Ort machen. In diesem Sinne müssen Angela Merkel und die übrigen EU-Regierungschefs von Brüssel aus eindeutige Signale senden.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%