Exklusiv-Studie des Handelsblatts: Energiewende ohne Schwung

Exklusiv-Studie des Handelsblatts
Energiewende ohne Schwung

Laut einer Studie des Handelsblatt Research Institutes steht Deutschland bei grüner Energie gut da. In den letzten fünf Jahren hat sich aber im internationalen Vergleich wenig getan. Ein Alarmsignal, sagen die Autoren.
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DüsseldorfSelten wurde in der Geschichte Deutschlands so oft über Strom geredet wie in den vergangenen Jahren. Seitdem die Bundesregierung die Energiewende eingeläutet hat, ist der Umbau der Infrastruktur eines der wichtigsten Themen des Landes. Doch ist auch viel passiert? Laut einer Studie des Handelsblatt Research Institutes im Auftrag des Industrieunternehmens General Electric (GE) nicht. Deutschland stehe im Vergleich zu anderen Ländern in Sachen klimafreundliche Energieerzeugung zwar auf einem ordentlichen Mittelfeldplatz. Allerdings liege das nicht an den Entwicklungen in den vergangenen fünf Jahren, so das Urteil der Autoren, denn da hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern nur wenige Fortschritte gemacht.

Die Studie bietet vor allem zwei neue Ansätze: Erstmals wurden gleich 24 Länder miteinander verglichen und sie orientiert sich an dem „magischen“ Dreieck Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Also zum Beispiel: Wie teuer ist unser Strom, wie ökologisch wird er hergestellt und wie hoch ist das Risiko eines Stromausfalls. All diese drei zum Teil gegensätzlichen Faktoren zusammenzubringen schaffen vor allem Schweden (Platz 1), Norwegen (Platz 2) und Österreich (Platz 3). Deutschland belegte hingegen nur den achten Platz. Als beste unter den großen Volkswirtschaften schneidet Frankreich ab. Das ist nicht verwunderlich, da Frankreich zum allergrößten Teil bei der Stromversorgung auf Kernkraft setzt - und diese Technologie ist CO2-frei.

Die Verfasser hatten sich zum Ziel gesetzt, den Umbau der Energieinfrastrukturen hin zu mehr Klimafreundlichkeit weltweit zu vergleichen – unabhängig von der Technologie, die dahinter steckt. „Der achte Platz Deutschlands beim Niveau-Ranking mag nicht der deutschen Wahrnehmung als Vorreiter der Energiewende entsprechen, ist aber – wenn man genau hinschaut – kein schlechtes Ergebnis“, urteilen die Autoren. Aber: Die Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde Strom seien in Deutschland etwa sechs Mal so hoch wie etwa in den USA. „Deshalb liegt Deutschland bei der Energieerzeugung nur auf Rang 14, das hat auch uns überrascht“, sagte Bert Rürup, der Präsident des Handelsblatt Research Institute, bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Berlin.

Dass die skandinavischen Länder die ersten Plätze beim Ist-Zustand belegen, sei wenig überraschend, heißt es. Die Länder setzten bereits seit langem auf erneuerbare Energien. Aufgrund der geografischen und geologischen Bedingungen seien dort vor allem Wasser- und Windkraft sowie Biomasse als Energiequellen stark verbreitet. Norwegen nutze allerdings so gut wie keine Sonnenenergie.

Laut der Studie erzeugt das Land aber bereits 98 Prozent seiner Energie aus regenerativen Quellen, Schweden immerhin 50 Prozent. Die Erhebung zeigt auch die unterschiedlichen Strategien der Länder auf. So setzen Österreich und die Schweiz vor allem auf Wasserkraft.

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