Fehlende Investitionen Europas Firmen hinken bei Forschung hinterher

Fehlende Investitionen bremsen Innovationen in Europa aus – dabei sind es gerade Forschung und Entwicklung, mit denen sich Europa behaupten kann. Der Konkurrenz aus Asien hinkt Europa bei den Ausgaben für Forschung hinterher.
1 Kommentar
Mehr investieren: Mit Forschung kann sich Europa gegen die internationale durchsetzen. Quelle: dpa

Mehr investieren: Mit Forschung kann sich Europa gegen die internationale durchsetzen.

(Foto: dpa)

BrüsselEs ist wie beim ungleichen Wettkampf zwischen Hase und Igel: Europas Unternehmen treiben Forschung und Entwicklung zwar voran, doch die Konkurrenz sowohl aus den USA wie auch aus Japan und Südkorea ist immer ein gutes Stück voraus – wie es scheint uneinholbar. „Europa droht ins Hintertreffen zu geraten“, warnt EU-Forschungskommissar Carlos Moedas. Das Problem liege vor allem aufseiten privater Investoren. Hier müsse Europa gegensteuern.

Tatsächlich sind die Investitionen von in der EU ansässigen Unternehmen in Forschung und Entwicklung (FuE) im Jahr 2013 gerade mal um 2,6 Prozent gestiegen; das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber fast sieben Prozent im Vorjahr. Der Anstieg der Forschungsinvestitionen bleibt damit deutlich unter dem weltweiten Schnitt von 4,9 Prozent. Und es sieht nicht nach Besserung aus. Sowohl in den USA wie auch in Japan erhöhten die Firmen ihre Ausgaben für Innovationen um mehr als fünf Prozent.

Das ist das Ergebnis des am Donnerstag von der EU-Kommission vorgestellten „Anzeigers für FuE-Investitionen der Industrie 2014“. In ihm analysiert die Brüsseler Behörde das Investitionsverhalten der 2.500 weltweit größten Unternehmen. Während in der EU ansässige Unternehmen rund 162,4 Milliarden Euro in Innovation pumpten, gaben US-Firmen rund 193,7 Milliarden Euro dafür aus, die japanischen Unternehmen waren mit 85,6 Milliarden Euro dabei.

Europas Innovationsrevival
100914slide11
1 von 5

Wenn die Alarmglocken schrillen: Regierungen und Privatwirtschaft sind zunehmend besorgt, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnte. Eine für den European Business Summit 2013 aufbereitete Studie ergab, dass 71 Prozent der europäischen Geschäftsführer und Vorstände der Meinung sind, dass China Europa im Bereich der technologischen Innovation in nur einem Jahrzehnt eingeholt oder sogar überholt haben wird.

Quelle: Valentin Flauraud/Reuters/Corbis

100914slide21
2 von 5

Nicht ganz auf Spur? Die langsame wirtschaftliche Erholung und die hohe Arbeitslosigkeit verstärken diese Befürchtungen, während niedrige F&E-Aufwendungen (2012: 2 Prozent des BIP) und hohe Patentierungskosten die Entwicklung verlangsamen. Außerdem implementieren europäische Unternehmen Methoden, mit deren Hilfe sich die Produktentwicklung beschleunigen ließe, langsamer als das in anderen Regionen der Fall ist. Zu dem Schluss kam jedenfalls der 2014 veröffentlichte GE Report The State of European Innovation.

Quelle: Kacper Pempel/Reuters/Corbis

100914slide31
3 von 5

Mehr Power für F&E: Um die Innovation zu intensivieren, hat sich die EU das Ziel gesetzt, 3 Prozent des BIP bis zum Jahr 2020 in Forschung und Entwicklung zu investieren. 2010 wurde dieses Ziel allerdings bereits verpasst. Im Zentrum dieser Initiative steht Horizon 2020. Dieses mit 80 Mrd. Euro ausgestattete Programm soll in entscheidenden Branchen wie Produktion, Energie und Gesundheitswesen Forschung und Innovation fördern.

Quelle: John Thys/AFP/Getty Images

100914slide41
4 von 5

Die öffentliche Hand kann es nicht alleine: Vor allem, wenn es um Investitionen und Wissenstransfer geht, ist die Privatwirtschaft ein wichtiger Faktor für den Erfolg. 2008 wurden in Europa gerade einmal halb so viele öffentlich-private Arbeiten veröffentlicht wie in den USA. Das zeigt, wie wenig ausgeprägt hierzulande die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie ist. Um hier Abhilfe zu schaffen, wollen Unternehmen aus der EU 10 Mrd. in gemeinsame Technologieinitiativen investieren.

Quelle: Stephane Mahe/Reuters/Corbis

100914slide51
5 von 5

Verschiedene Töpfe – verschiedene Deckel: Die EU ist ein sehr vielschichtiges Gebilde, das aus 28 Nationen besteht. Manche von diesen, zum Beispiel Großbritannien, sind im Innovationssektor stärker als andere. Will man hier langfristig erfolgreich sein, muss also sehr differenziert vorgegangen werden. Andererseits ließe sich auch mit kollektiven Anstrengungen viel erreichen. Würde man die F&E-Ausgaben bis 2020 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben, könnte das dem BIP der EU bis 2025 zusätzliche 795 Mrd. Euro bescheren.

Quelle: Botond Horvath/Shutterstock.com

Der Inhalt dieser Bilderstrecke stammt aus einer Publikation auf GE Look Ahead und kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://gelookahead.economist.com/de/slideshow/aufholjagd/

Bereits vor wenigen Tagen hatte der für Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Jyrki Katainen, im Handelsblatt-Interview davor gewarnt, dass Europa das selbst gesteckte Ziel, bis spätestens 2020 drei Prozent des BIP für Innovation auszugeben, wohl nicht erreichen werde. Während die EU nach Auskunft von Forschungskommissar Moedas immer noch bei rund zwei Prozent dümpelt, sind die USA mit 2,8 Prozent, Japan mit 3,8 und Korea mit rund vier Prozent klar auf Innovationskurs.

Ohne die deutschen Autobauer sähe die Realität in Europa noch bescheidener aus. Denn allein ein Viertel der FuE-Gesamtaufwendungen der im Report erfassten Unternehmen entfällt auf den Automobilsektor, in dem die Investitionen um 6,2 Prozent stiegen. Die tragenden Säulen: Volkswagen, Daimler und BMW. Sie liegen innerhalb der EU bei FuE-Investitionen an der Spitze.

In den Branchen Pharma, Bio- und High Tech sowie Software und Computerdienstleistungen indes liegen die Europäer weit abgeschlagen hinter den Amerikanern. Nicht zum ersten Mal machen die Experten in Brüssel eine fehlende Risikobereitschaft bei Europas Unternehmen aus.

Mit dem jüngst vorgestellten Investitionsprogramm versucht die EU nun gegenzusteuern. Rund 21 Milliarden Euro aus europäischen Töpfen sollen über drei Jahre Investitionen von bis zu 315 Milliarden Euro freisetzen. Privates Engagement in risikoreichere Projekte wird mit Hilfe von Steuergeldern abgesichert. „Mit unserem Investmentprogramm erhöhen wir die Feuerkraft des ‚Horizont 2020‘-Programms für Innovation“, gibt sich Kommissar Moedas zuversichtlich. Mit FuE-Investitionen in Höhe von 11,7 Milliarden Euro war der deutsche Autobauer Volkswagen das zweite Jahr in Folge weltweit Spitzenreiter. An zweiter Stelle steht Samsung (Südkorea), gefolgt von Microsoft und Intel (USA).

Große Forscher mit großen Ideen

Große Forscher mit großen Ideen
Startseite
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%