Fehler bei der Energiewende
Umweltminister Altmaier kritisiert die Wirtschaft

Die Fehler bei einigen Projekten „gefährden die Akzeptanz der Energiewende“, so der Bundesumweltminister. Gleichzeitig sprach er sich für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes aus.
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BerlinBundesumweltminister Peter Altmaier geht mit der Wirtschaft hart ins Gericht. "Wenn es darum geht, Projekte zur Energiewende zu realisieren, werden zum Teil Fehler gemacht", sagte Altmaier auf der Handelsblatt-Tagung "Erneuerbare Energien 2013" in Berlin. "Sie gefährden die Akzeptanz der Energiewende."

Er bezog sich auf den Windpark "Riffgat" in der Nordsee. Der ist zwar fertiggestellt, er kann aber keinen Strom liefern, weil ein Teil der dafür notwendigen Leitungen zum Festland noch fehlt. "Man hätte doch zuerst die Leitungsprobleme im Meer klären und dann erst die Gondeln der Windräder montieren können", monierte er.

Trotzdem bekannte er sich zum Ausbau der Offshore-Windenergie. "Und wir haben die verdammte Verantwortung, dass dies zu einem Erfolgsprojekt wird", erklärte er.

In der Öffentlichkeit wächst die Kritik an den Meerwindparks. Sie seien teuer und risikoreich. An Land, sagt etwa Matthias Willenbacher von der Ökostrom-Gruppe Juwi, sei der Strom günstiger zu produzieren.

Altmaier räumte ein, dass es beim weiteren Ausbau von Solar- und Windenergie stärker um die kostengünstige Stromproduktion gehen müsse als in der Vergangenheit. Er sprach sich für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus. Wie die konkret aussehen soll, ließ er jedoch offen. Er strebe nach der Wahl "eine parteiübergreifende Lösung" an. Er machte aber klar, dass bestehende Solaranlagen nicht mit nachträglichen Kürzungen der Förderung rechnen müssten. Als Altmaier vor einigen Monaten die sogenannte Strompreis-Bremse einführen wollte, sah er das noch anders. Die massive Kritik von Investoren ließ ihn davon abrücken.

Der Bundesumweltminister will den Wildwuchs an Solar- und Windparks im Lande stoppen. Er macht sich deshalb für eine "nationale Ausbaukonzeption" stark, die zwischen den Bundesländern abgestimmt wird.

Rainer Baake, Geschäftsführer der Agora Energiewende, forderte ein Umdenken beim künftigen EEG: "In den vergangenen Jahren ging es darum, die neue Technologie zu fördern." Jetzt müsse ein neues Marktdesign entwickelt werden, um die erneuerbaren Energien in das übrige Energiesystem einzupassen. Mehrere Teilnehmer der Diskussion warnten vor einem nationalen Alleingang Deutschlands. "Es ist wirtschaftlich sinnvoller, mit unseren Nachbarländern über neue Modelle zu sprechen", sagte Carsten Rolle, Abteilungsleiter Energie des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI.

Unabhängig davon, wie das neue EEG aussehen werde, sei es vor allem wichtig, "eine ehrliche und offene Debatte zur Bezahlbarkeit der Energiewende zu führen", meinte Boris Schucht, Chef des Netzbetreibers 50Hertz Transmission GmbH aus Berlin. Sonst werde Deutschland "Schiffbruch erleiden".

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