Forscher Ballungsgebiete nicht bereit für Energiewende

Die Energiewende wird heiß debattiert, doch noch stehen längst nicht alle Probleme der Umstellung auf erneuerbare Energien stehen auf der Agenda. Vor allem Großstädte müssten noch ordentlich aufrüsten, sagen Forschen.
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Schlecht vorbereitet: Ballungsgebiete wie das Rhein-Main-Gebiet müssen sich besser auf die Energiewende einstellen. Quelle: ap

Schlecht vorbereitet: Ballungsgebiete wie das Rhein-Main-Gebiet müssen sich besser auf die Energiewende einstellen.

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Darmstadt/Frankfurt Ballungsräume wie das Rhein-Main-Gebiet sind aus Sicht des Darmstädter Wissenschaftlers Ingo Sass schlecht auf die Energiewende vorbereitet. Die Diskussion über die Höchstspannungs-Stromtrassen dominiere das Thema in der Öffentlichkeit, dabei werde die Umrüstung der Leitungen in den Städten ungleich größeren Aufwand bedeuten. „Da gibt es einen ungeheuren Sanierungsbedarf“, sagte Sass, Leiter der Forschungsplattform „urban energies“ an der Technischen Universität Darmstadt.

Zigtausende Kilometer meist in der Erde verlegter Nieder- und Mittelspannungskabel genügten den Ansprüchen der Energiewende nicht. „Die sind zum Teil über 100 Jahre alt und einfach mürbe.“ Die Hoch- und Höchstspannungstrassen seien lediglich Zubringer für den Strom aus weiter Entfernung – die Netze in den Ballungsgebieten leiteten den Strom zum Kunden. Ihre Sanierung werde volkswirtschaftlich viel teurer sein als der Bau der neuen Trassen. Außerdem müsse die Auslastung der neuen Netze geprüft werden – durch die Energiewende werde der Strom nicht mehr so gleichmäßig fließen wie bisher.

Wo die größten Stromverschwender wohnen
120. Platz: Schwerin
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120. Platz: Schwerin

Schwerin ist die Hauptstadt der Stromsparer. Die Bürger der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns sparten im vergangenen Kalenderjahr 26,5 Prozent der vorjährlichen Stromkosten ein. Das Schweriner Schloss erstrahlt trotzdem jeden Abend in grellem Licht.

Für die Studie wurden rund 120.000 stichprobenartig ausgewählte Strom-Verträge, welche in den Jahren 2012 und 2013 online abgeschlossen wurden, analysiert. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Haushaltsgrößen, welche das Statistische Bundesamt oder die Statistischen Landesämter ausweisen, wurde aufgrund der Vertrags-Angaben der Pro-Kopf-Stromverbrauch pro Stadt ermittelt. Die Ergebnisse klassifizieren sich in drei Gruppen: „Stromsparer“ verbrauchen zehn Prozent weniger (<1.850 kWh) als der ermittelte Durchschnitt. „Stromverschwender“ liegen um zehn Prozent darüber (>2.105 kWh). Die „normalen Stromverbraucher“ siedeln sich dazwischen an.

119. Platz: Erfurt
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119. Platz: Erfurt

Die Landeshauptstadt Thüringens verpasst knapp die Spitzenposition unter den Stromsparern des vergangenen Jahres. Eine Einsparung des Pro-Kopf-Stromverbrauches von 24,1 Prozent zeigt die enormen Einsparpotenziale in Erfurt.

118. Platz: Neubrandenburg
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118. Platz: Neubrandenburg

Die ostdeutsche Stadt Neubrandenburg setzte die Entwicklung fort und sparte im vergangen Jahr 22,6 Prozent seines Stromverbrauchs im Vergleich zum Vorjahr ein. Ob dieser Trend mit der hohen Arbeitslosigkeit der Stadt zusammenhängt, konnte die Studie von Preisvergleich.de nicht klären.

117. Platz: Dresden
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117. Platz: Dresden

In Dresden ist ebenfalls der Trend zu beobachten, dass ostdeutsche Städte mehr Strom sparen als ihre westdeutschen Nachbarn. Im vergangenen Jahr konnte Dresden seinen Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 20,3 Prozent senken.

116. Platz: Schweinfurt
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116. Platz: Schweinfurt

Doch auch in Bayern geht es anders: Schweinfurt macht durch extremes Stromsparen auf sich aufmerksam. Die Stadt liegt nahe des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld, vermeidet es aber Strom zu verschwenden. Im vergangenen Jahr konnten die Schweinfurter pro Kopf 18,5 Prozent ihres vorjährigen Stromverbrauchs einsparen.

10. Platz: Fürth
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10. Platz: Fürth

Mit Fürth schafft es eine weitere bayrische Stadt unter die zehn größten Stromsünder-Städte der Bundesrepublik. 2116 kWh wurden im vergangenen Jahr pro Kopf gemessen. Das entspricht einem Verbrauch von 15,3 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt.

9. Platz: Bremerhaven
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9. Platz: Bremerhaven

Der Containerterminal Bremerhaven musste im vergangenen Jahr einen erheblichen Rückgang im Güterumschlag verkraften. Am städtischen Stromverbrauch hat das nicht viel geändert. Bremerhaven liegt mit einem Stromverbrauch von 2101 kWh mehr als 14 Prozent über dem deutschen Durchschnitt.

Großes Potenzial sieht Sass in der Nutzung der Sonnenenergie – etwa zum Heizen von Gebäuden. Dazu müsse man im Sommer die Wärmeenergie einfangen, sie in die Tiefe leiten, dort zwischenlagern und bei Bedarf wieder an die Oberfläche holen. Im Sommer will die Universität Darmstadt dazu eine Probebohrung machen.

  • dpa
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