Gaspreise
Förderindustrie kämpft für Fracking

In den USA hat Fracking die Energiemärkte durcheinandergewirbelt; i n Deutschland bleibt es allenfalls bei Forschungsbohrungen – auch aus wirtschaftlichen Gründe. Mit den niedrigen Gaspreisen gehen der Industrie die Argumente aus.
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Hamburg/BerlinEnormes Potenzial oder schwer kalkulierbares Risiko? Am Fracking scheiden sich weiterhin die Geister. Seit in dem US-Dokumentarfilm „Gasland“ brennendes Gas aus dem Hahn kam, hat die Technik in Deutschland für Kritiker keine großen Zukunftsaussichten. Die Szene war zwar manipuliert und hatte mit Fracking nichts zu tun - aber sie hat sich tief im Bewusstsein der Skeptiker festgesetzt.

Bisher gibt es hierzulande keine gesetzliche Regelung für das sogenannte unkonventionelle Fracking, bei dem tiefe Gesteinsschichten unter Einsatz von Chemikalien aufgebrochen werden. Einen Gesetzentwurf, der das Verfahren nur in sehr begrenztem Umfang erlauben würde, stimmten Umwelt- und Wirtschaftsministerium nun ab.

„Fracking in Kohleflöz- und Schiefergestein zu kommerziellen Zwecken wollen wir mit Hinweis auf damit verbundene Risiken für das Trinkwasser verbieten“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Laut den mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erarbeiteten Eckpunkten soll dies jedenfalls für Bohrtiefen oberhalb von 3.000 Metern gelten. Eine Erprobung der in den USA oft benutzten Technik solle es nur geben, wenn das Grundwasser nicht gefährdet sei – generell soll die Gasförderung aber nicht verboten werden.

Die vielerorts starken Vorbehalte versucht etwa der Energiekonzern ExxonMobil – größter Gasförderer in Deutschland – zu zerstreuen. In der ARD-Sendung „Panorama“ tranken drei ExxonMobil-Ingenieure vor kurzem einen Becher Frack-Flüssigkeit, um zu zeigen, dass sie keine giftigen Chemikalien enthalte und harmlos für das Trinkwasser sei.

Die Gegner überzeugte das nicht. Ihre Argumente richten sich nicht allein gegen die Fracking-Methode, sondern oft gegen die Gasförderung insgesamt. „Mit einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien muss es zukünftig besser gelingen, den Einsatz fossiler Energien zu reduzieren“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer.

Die Auseinandersetzung um die Fördermethode, die jahrzehntelang in tieferen Gesteinsschichten ohne jede öffentliche Aufmerksamkeit angewendet wurde, verläuft auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Zum einen geht es darum, welche Gefahren es für Umwelt, Trinkwasser und Gesundheit nach sich ziehen könnte, wenn dichte Gesteine aufgelockert werden. Die Debatte ist nicht entschieden, viele Forscher halten die Methode für beherrschbar. „Es gibt keinen seriösen Wissenschaftler, der im Fracking eine Risikotechnologie sieht, verglichen mit anderen Methoden der Energiebereitstellung“, sagt der Geologe Prof. Horst Rüter. Das Umweltbundesamt und die Ministerin sehen das anders.

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