Gebäudesanierung
Bauen für das Klima

Die Regierung will bei Sanierungen Einzelmaßnahmen stärker fördern. Denn ohne eine effizientere Förderung drohe ein Scheitern der Energiewende.
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BerlinDie Bundesregierung will die energetische Gebäudesanierung konsequent vorantreiben und die Mittel dafür effizienter einsetzen. "Wir wollen uns künftig weniger an einzelnen Leuchtturmprojekten orientieren, als vielmehr deutlich mehr Einzelmaßnahmen fördern. Wir wollen und wir müssen mit jedem eingesetzten Euro mehr CO2 einsparen als bisher", sagte Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), dem Handelsblatt.

In der energetischen Gebäudesanierung steckt viel Potenzial, Kohlendioxid einzusparen. Gebäude stehen für etwa 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs und für etwa ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland und Europa. Das Einsparpotenzial ist groß, doch die Sanierung des Gebäudebestands kommt nur schleppend voran. Die Regierung ist überzeugt: Wenn die Förderung der Sanierung nicht effizienter gestaltet wird, scheitert auch die Energiewende.

Um die ehrgeizigen Klimaschutzziele zu verwirklichen, muss die Rate der energetischen Gebäudesanierungen Fachleuten zufolge bei mindestens zwei bis drei Prozent jährlich liegen. Tatsächlich ist die Rate aber nur halb so hoch. Bei den Grünen gibt das Grund zur Sorge: "Wenn das so weitergeht", warnt Bauexperte Kühn, "sind wir erst in 100 Jahren fertig - dann ist der Klimawandel an uns vorbeigerauscht."

Klimaschutz ist das eine - bezahlbarer Wohnraum das andere: "Angesichts der dramatischen Entwicklung der Heizkosten brauchen wir mehr energetisch sanierte Wohnungen", sagte Christian Kühn, Umwelt- und Baupolitiker von Bündnis 90/Die Grünen. "Die Heizkosten steigen dreimal schneller als die Löhne. Schon deswegen können Mieter kein Interesse an nichtsanierten Wohnungen haben."

Allerdings müssten die Mieter vor einem zu hohen Anstieg der Mieten nach einer Sanierung geschützt werden. So müsse zum Beispiel das Fördervolumen durch die KfW deutlich aufgestockt werden, von jetzt 1,8 auf zwei Milliarden Euro.

Das verlangen auch Politiker der Regierungsparteien. Thomas Bareiß, Energiebeauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, will für Investoren zudem "weitere Anreize schaffen auch durch steuerliche Abschreibungen". Dieser Aspekt war in den Koalitionsverhandlungen zuletzt gestrichen worden. Experten warnen indes vor neuen Vorschriften bei der Sanierung von Gebäuden, die die Baukosten und damit die Mieten weiter anheizten.

"Wir müssen kostengünstiger sanieren als bisher, Stichwort Teilsanierung", sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW. "Wir haben jede Menge Kleinstvermieter. Die müssen wir dazu bringen, dass die überhaupt sanieren", so SPD-Bauexperte Michael Groß. "Das ist dann auch finanzierbar und bringt im Endergebnis für das Klima mehr, als ein Haus komplett zu sanieren."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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