Gefahr für Great Barrier Reef
Kohle statt Korallen

Wirtschaft trifft auf Umwelt: Der Hafen am Great Barrier Reef darf ausgebaut werden. Damit ist der Status als Weltnaturerbe in Gefahr. Einige Experten fürchten sogar den Todesstoß für das Riff.
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CanberraDer Heimat des orange-weißen Clownfischs aus dem Film „Findet Nemo“ droht eine unsichere Zukunft. 150 000 Kipplaster voller Schlamm, Sand und Lehm – teilweise versetzt mit Schwermetallen und anderen gefährlichen Stoffen – landen bald beim australischen Great Barrier Reef auf dem Meeresgrund.

Der Betreiber des künftig größten Kohleverladehafens der Welt darf Millionen Tonnen Schlamm vor der berühmten Korallenformation versenken. Das hat die zuständige Behörde im Bundesstaat Queensland entschieden. Das Naturschutzgebiet bedeckt eine Fläche von rund 348 000 Quadratkilometern. Das entspricht ungefähr der Größe Japans.

Das Great Barrier Reef ist ein Beispiel dafür, wie Wirtschaftsinteressen und Umweltschutzgedanken aufeinanderprallen. Dem weltweiten Ringen um wichtige Rohstoffe für die Energieversorgung und Industrieproduktion stehen der Schutz von Lebensräumen für Menschen und Tiere entgegen. So forcieren etwa Ölkonzerne die Suche nach Ölquellen in entlegenen und ökologisch sensiblen Regionen wie Alaska, Sibirien oder dem Eismeer.

Auch nach der Explosion der Bohrinsel „Deep Water Horizon“ und der folgenden Ölpest, die weite Küstenstriche des Golfs von Mexiko verseuchte, werden umstrittene Tiefseebohrungen weiter vorangetrieben. Minenkonzerne wiederum dringen auch in schwer zugängliche Landstriche Afrikas, Südamerikas, Australiens oder Zentralasiens vor, um neue Eisenerz-, Kupfer-, Kohle- oder Edelmetallreserven auszubeuten. Hintergrund der Jagd nach Ressourcen ist, dass herkömmliche Öl- und Gasfelder oder Rohstoffminen zunehmend erschöpft sind. Die Konzerne nehmen daher eine immer aufwendigere und kostspieligere Exploration in Kauf.

Dabei prallen immer wieder wirtschaftliche Interessen auf Vorbehalte von Umweltschützern und Anwohnern. Politik und Behörden sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, sich der Lobbyarbeit der Rohstoffkonzerne zu beugen – so auch in Australien. Dort wird es der North Queensland Bulk Ports Corporation und der indischen Adani-Gruppe gestattet sein, den Meeresboden im inzwischen 30 Jahre alten Hafen Abbot Point auszubaggern und den Aushub im Meer vor der Stadt Bowen im Weltnaturschutzgebiet des Riffs zu „entsorgen“. Durch die Expansion des Hafens wird es möglich, dass tiefer liegende und größere Kohlefrachter anlegen können. Auf diese Weise können die Verladekapazitäten pro Jahr um etwa 70 Millionen Tonnen Kohle im Gesamtwert von bis zu 2,8 Milliarden australische Dollar (1,8 Milliarden Euro) erweitert werden. Im Bundesstaat Queensland liegen einige der reichsten Kohlelagerstätten der Welt. Kein anderes Land exportiert so viel Kohle wie Australien.

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Kohle statt Korallen

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Todesstoß für das Riff?

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