Handelsblatt-Roundtable
Die neue Offenheit in der Energiebranche

Die Teilnehmer des Roundtables plädieren für weniger Alleingänge und mehr Transparenz in der Strombranche. Nur so kann die Integration der Erneuerbaren funktionieren und die Energiewende schneller und billiger werden.
  • 3

FrankfurtDie Not war groß. Es gab viel zu viel Wind und zu wenig Stromverbrauch. Statkraft reagierte prompt und schaltete 40 Windparks zwischen Weihnachten und Neujahr 2012 ab. So vermied das Unternehmen, dass es zu einem negativen Strompreis kommt. Dann hätte der Netzbetreiber noch dafür zahlen müssen, um den überschüssigen Strom ins Ausland zu schaffen. „Wir konnten so mit unseren Vertragspartnern die Stromkunden in Deutschland um rund elf Millionen Euro entlasten“, sagte Stefan-Jörg Göbel vom Stromhändler Statkraft. Er diskutierte auf Einladung des Handelsblatts mit vier anderen Vertretern der Energiebranche über neue Geschäftsmodelle. Tenor der Expertenrunde: Stromerzeuger, Netzbetreiber und Verbraucher müssen enger zusammenarbeiten, um die Energiewende zu beschleunigen.

Das Abschalten Ende vergangenen Jahres markiert einen neuen Trend im Ökostrommarkt: Wind-, Solar- und Biogasanlagen speisen ihren Strom nicht mehr einzeln ins Netz, ohne Rücksicht auf den Gesamtmarkt. Sie passen sich der schwankenden Nachfrage an. So können grüne Kraftwerke zum Teil die Rolle traditioneller Kraftwerke übernehmen. Das funktioniert vor allem, weil es inzwischen rund ein Dutzend Unternehmen in Deutschland gibt, die ihr Geld mit virtuellen Kraftwerken verdienen: Sie schalten Solar-, Wind- und Biogasanlagen zusammen und bieten deren Gesamtleistung aus einer Hand an. Das ist zum Teil so viel wie ein Gaskraftwerk.

„Wir können mit unserem virtuellen Kraftwerk kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen“, sagte Hendrik Sämisch in Frankfurt. Er ist Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Next Kraftwerke. Es ist eines der größten Betreiber von virtuellen Stromerzeugern in Deutschland und verkauft vor allem Strom aus Biogasanlagen.

Das Unternehmen ist entstanden, weil es seit Anfang 2012 die Möglichkeit gibt, grünen Strom direkt an der Strombörse zu verkaufen. Zuvor konnten Betreiber einer Wind- oder Photovoltaikanlage ihn nur gegen eine feste Gebühr ins Stromnetz einspeisen. Die Bundesregierung fördert aber, dass sich grüne Stromanbieter dem Wettbewerb stellen.

Die Integration von erneuerbaren Energien ist allerdings aufwendig und erfordert viel Transparenz im Markt. So gibt es vor allem bei Privathaushalten zu viele unterschiedliche Systeme, um Anlagen zentral zu steuern. „Wir brauchen standardisierte elektronische Steuerungen, auf die sowohl die Netzbetreiber als auch Betreiber virtueller Kraftwerke zugreifen können“, sagte Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH und Stromnetz Hamburg GmbH.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%