Heizungssysteme
Gut versteckt im Keller

Viele Heizungssysteme sind veraltet. Dabei ließen sich mit der entsprechenden Technik Klima und Rohstoffreserven schonen. Der Chef von Wolf Heiztechnik kritisiert das schwer durchschaubare Fördersystem.
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MünchenWenn von der Energiewende die Rede ist, geht es meist um die großen Offshore-Windparks oder um Photovoltaik-Module auf den Hausdächern. Es gehe immer nur um den Strom, klagt Bernhard Steppe, Chef der Wolf Heiztechnik. Ein anderer Hebel, um Klima und Rohstoffreserven zu schonen, werde oft vergessen.

"Die Heizung befindet sich leider meist im Keller, an einem versteckten Ort", sagt Steppe. Nur gut alle 30 Jahre wird eine Heizungsanlage in Privathäusern in Deutschland erneuert - die Hersteller wie Wolf würden natürlich gern schon früher die effizienteren Neuanlagen verkaufen. Doch das Fördersystem ist nur schwer durchschaubar.

Wenn Steppe aus seinem Büro schaut, blickt er über die Hopfenfelder in der Hallertau. Die Firma Wolf baute bei ihrem Start vor 50 Jahren als metallverarbeitender Betrieb Hopfentrocknungsanlagen. Im Lauf der Jahrzehnte kamen Klimageräte und Heizungsanlagen, Wärmepumpen und solarthermische Anlagen hinzu.

Vor allem auf der Eigentümerseite hat Wolf eine lebhafte Geschichte hinter sich. In den 90er-Jahren gehörte Wolf zur Preussag. Die wollte erst einen führenden Weltkonzern in der Heiztechnik schmieden, verlor aber das Interesse, als man sich als Tui auf den Tourismus konzentrierte. Wolf geriet in die Verlustzone und war lange unverkäuflich. "Es war eine unruhige Zeit", sagt Steppe.

Erst als der heutige bayerische Arbeitgeberpräsident Alfred Gaffal zu Wolf zurückkehrte und das Unternehmen in einen Systemanbieter nach dem Motto "alles aus einer Hand" umformte, kam die Wende. 2006 wurde mit dem Verkauf an die Centrotec Sustainable AG ein Wunscheigentümer gefunden. Das vergangene Jahr war das erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. Heute zählt Wolf mit einem Umsatz von zuletzt 338 Millionen Euro neben Viessmann, Buderus, BDR Thermea und Vaillant zu den großen und erfolgreichen Anbietern in Deutschland.

Als einziges Unternehmen produziert Wolf komplett in Deutschland. "Wir wollen schneller wachsen als der Markt", sagt Steppe. Ein Treiber soll dabei die Solarthermie sein. Denn von den 20,2 Millionen Wärmeerzeugern sind nur 1,7 Millionen mit einer thermischen Solaranlage ausgestattet.

Doch der deutsche Markt ist nicht einfach. 2,7 Millionen Wärmeerzeuger seien über 25 Jahre alt, sagte Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer beim Branchenverband BDH. Halte das geringe Modernisierungstempo an, werde im Jahr 2030 ein Großteil der Heizungen über 30 oder gar 40 Jahre sein. Nur jede fünfte Heizanlage entspreche dem Stand der Technik.

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