Industrie 4.0
Schicksalsfrage Digitalisierung

In Europa hat Deutschlands Industrie die Nase vorne. Doch die Herausforderungen von Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen angepackt werden, wenn wir nicht zurückfallen wollen..
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Wer erinnert sich noch an die Dotcom-Blase? Als sie platzte, kollabierte auch eine naive Vorstellung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Die Dienstleistungsgesellschaft wurde als neues Ideal gefeiert. Die Industrie galt als Auslaufmodell.

Heute zeigt sich ein anderes Bild: Deutschland ist das einzige Land, das seit 1995 seinen Industrieanteil am Bruttosozialprodukt erhöhen konnte. Dienstleistungsberufe sind nicht anstelle der Industrie entstanden, sondern als ihr wesentlicher Teil. Zusammen mit den produktionsnahen industriellen Dienstleistungen hängen 60 Prozent des Produktionswerts direkt oder indirekt vom Industriesektor ab. Die industrielle Wertschöpfung ist damit für Wohlstand und politische Stabilität von größter Bedeutung.

Es ist aber kein Naturgesetz, dass die Industrie auch in Zukunft der Motor für gute Arbeit, Innovationen und Wachstum bleibt. Fachkräftesicherung, Digitalisierung, Energiewende und Investitionsstau stellen uns vor neue Herausforderungen. Es ist eine Schicksalsfrage: Nur wenn wir die Zukunft der Industrie sichern, sichern wir auch die Zukunft Deutschlands. Das gelingt nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Staat, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Deshalb hat die IG Metall ein Bündnis für Industrie initiiert. Es steht für eine offensive Weiterentwicklung des Industriestandorts Deutschland. Es ist ein Bündnis für gute Arbeit, Wachstum und Wohlstand. Damit wollen wir Kompetenzen bündeln und Netzwerke schaffen, um unsere Industrie modern zu gestalten.

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind die größte Herausforderung. Die IG Metall wird die technologische Entwicklung im Interesse der Beschäftigten gestalten. Wir benötigen ein neues Leitbild für gute digitale Arbeit, um die Risiken der Digitalisierung zu begrenzen. Doch auch deren Chancen liegen auf der Hand: Eine Humanisierung der Arbeitswelt ist ebenso möglich, wie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Veränderung von Arbeit benötigt neue Qualifizierungs- und Weiterbildungsstrategien. Die vierte industrielle Revolution muss von einer Bildungs- und Qualifizierungsrevolution begleitet werden. Es gilt, die duale Ausbildung zu stärken, um die Facharbeiter der Zukunft mit der digitalen Produktionsweise vertraut zu machen. Wir brauchen auch ein Qualifizierungssystem, das allen Beschäftigten passende Weiterbildungsangebote unterbreitet und die weiterqualifiziert, deren Tätigkeiten von Automatisierung bedroht sind.

Notwendig ist auch ein rascher Ausbau der digitalen Infrastruktur. Vor allem der Breitbandausbau muss schnell umgesetzt werden. Investierende Unternehmen müssen gezielt gefördert werden. Verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder Investitionszulagen für Investitionen können zum Gelingen der Industrie 4.0 beitragen. Ein New Deal für Technologie- und Investitionsförderung sollte daher elementarer Bestandteil des Bündnisses für Industrie sein. Die Botschaft des Bündnisses ist: Gemeinsam können wir eine moderne Industrie gestalten. Wenn das auch von der Öffentlichkeit anerkannt wird, haben wir viel erreicht.

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