Industrie
Keine Zeit für Jubel

Die Zahlen stimmen, die Stimmung ist gut. Doch die Politik gefährdet den langfristigen Erfolg der deutschen Industrie. Die Folgen der aktuellen Belastungen werden erst in einigen Jahren wirklich sichtbar werden.
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Der Industriereport des DIHK prognostiziert 40.000 neue Industriejobs in diesem Jahr. Und Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger schwingt sich auf zu der Aussage, das Deutschland dieser Tage sei "das beste Deutschland, das wir jemals hatten". Doch das ist nur eine trügerische Momentaufnahme.

Der Kern der deutschen Industrie bewegt sich auf dünnem Eis. Seit vielen Jahren investieren Unternehmen mit hohem Energieverbrauch weniger, als sie abschreiben. Mit anderen Worten: Sie bluten aus. Das ist ein schleichender Prozess, dessen Resultate sich oft erst nach Jahren einstellen. Chemie, Stahl, Aluminium - diese Branchen wachsen nicht in Deutschland, sondern dort, wo die Energiekosten niedriger sind als hierzulande, also praktisch überall auf der Welt.

Nun könnte man argumentieren, es sei in Zeiten weltweiter Arbeitsteilung kein herber Verlust, wenn Stahl und Zement ausschließlich jenseits der Grenzen produziert würden. Soll sich doch jede Volkswirtschaft - frei nach David Ricardo - auf die Dinge besinnen, die sie am besten beherrscht. Doch zwei Argumente sprechen dagegen, die energieintensiven Industrien sang- und klanglos sterben zu lassen.

Erstens sind die betroffenen Branchen international sehr wohl wettbewerbsfähig. Sie haben nur das Problem, dass ihnen die Politik einen Mühlstein um den Hals gehängt hat. Die Abgaben auf den Strompreis sind nirgends so hoch wie in Deutschland. Selbst die Unternehmen, die von bestimmten Befreiungen profitieren, tragen zusammengenommen noch viele Hundert Millionen Euro an Zusatzbelastung. Doch auf den Weltmärkten zahlt ihnen dafür niemand einen Aufschlag auf ihre Produkte. Warum auch?

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