Industrie und Kunden in Sorge
Regierung erleidet Schiffbruch mit ihrer Energiepolitik

Laut zwei am Montag veröffentlichten Umfragen sind sich Wirtschaft und Verbraucher einig: Ein Großteil findet, dass die Energiepolitik der Bundesregierung Murks ist. Vor allem eine Entwicklung bereitet Sorge.
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DüsseldorfKurz vor der Bundestagswahl im September sind diese Umfrageergebnisse wohl das letzte, was die selbst ernannte Energiewende-Partei CDU gebrauchen kann. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) haben Wirtschaft und Verbraucher nach ihrer Meinung gefragt. Und die stimmen mehrheitlich überein: Das Management der Energiewende ist stark verbesserungswürdig.

Das ist bitter für Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Gilt der Umbau der Stromversorgung in Deutschland doch inzwischen vor allem als ihr Projekt. Sie war es, die den radikalen Schwenk nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 durchsetzte.

Im Juli und August diesen Jahres befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nun im Auftrag des BDI 734 Entscheider aus Industrie sowie industrienahen Dienstleistungen per Online-Fragebogen. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen (50,4 Prozent) erteilte der Energiepolitik der Regierung die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Nicht viel besser sieht es bei den privaten Haushalten aus: Im Juni befragte Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband 1.227 Privatpersonen ab 14 Jahren. 48 Prozent von ihnen sind mit der Umsetzung der Energiewende nicht zufrieden.

Den Umbau der Stromerzeugung in Deutschland an sich stellen die Umfrageteilnehmer aber nicht in Frage. 82 Prozent finden die Ziele der Energiewende richtig.

Wenn sie Nachteile der Energiewende nennen sollen, führen 52 Prozent der Befragten steigende Preise an. Tatsächlich ist der Durchschnitts-Strompreis für Haushaltskunden laut Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen: Während eine Kilowattstunde (kWh) Strom vor 13 Jahren inklusive Steuern und Abgaben durchschnittlich noch knapp 14 Cent für einen Drei-Personen-Haushalt kostete, müssen Verbraucher in diesem Jahr mit fast 29 Cent nahezu das Doppelte pro kWh zahlen.

Noch ein bisschen schlimmer sieht es aus in der Industrie: Während Unternehmen laut Daten des BDEW im Jahr 2000 noch etwas mehr als 6 Cent pro Kilowattstunde Strom inklusive Steuern und Abgaben zahlten, kostet sie heute fast 15 Cent.

Als Beginn der Energiewende gilt jedoch das Jahr 2011 – seitdem ist der Strompreis für die Wirtschaft von 14,04 Cent auf heute 14,87 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Verbrauchern aus: Bei ihnen stieg der Strompreis seit 2011 um zwölf Prozent.

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