IT-Branche
Die Macht der großen Daten

Der Einfluss von Big Data auf unternehmerische Entscheidungen wächst. Die automatisierte Analyse der digitalen Informationsflut bietet immense Chancen. Doch Experten monieren das antiquierte deutsche Datenschutzrecht.
  • 0

Die IT-Branche ist sich sicher: Informationen sind das Erdöl der Zukunft, ihre Bedeutung für die Wirtschaft ist kaum zu überschätzen. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom sind allein in den Jahren 2000 bis 2002 mehr Daten generiert worden als in den 40.000 Jahren davor.

Inzwischen gehen die Experten davon aus, dass sich das Volumen alle 18 bis 24 Monate im Durchschnitt verdoppelt."Für einige Unternehmen aus den Bereichen Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe oder Telekommunikation erwarten wir in diesem Zeitraum sogar eine Vervierfachung", sagt Mathias Weber, Bitkom-Bereichsleiter IT Services.

Verantwortlich dafür sind unter anderem die Nutzung von Smartphones und sozialen Medien, der Einbau von Sensoren in Elektrogeräte- und Produktionsanlagen sowie die zunehmende Nutzung von E-Government-Anwendungen.

Infografik So viel spart das Industrial Internet



Für die Wirtschaft sind die so entstehenden Datenmengen eine wahre Fundgrube. "Viele Unternehmen wünschen sich möglichst umfassende Informationen, um ihre Dienstleistungen und Produkte optimal auf die Bedürfnisse des Marktes anzupassen", sagt Michael Dorner, IT-Rechtler bei CMS Hasche Sigle in München. Diesen Wunsch können sie sich immer öfter erfüllen. Das Zauberwort: Big Data.

Gemeint ist damit die extrem schnelle Analyse unvorstellbar großer Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen - im Idealfall in Echtzeit. Solche Prozesse lassen sich mit herkömmlichen EDV-Systemen zwar nicht oder nur unzureichend durchführen. Doch fast alle großen Technologiekonzerne bieten inzwischen Lösungen für Big Data.

Die Nachfrage ist groß. Bitkom glaubt, dass der Markt in Deutschland allein in diesem Jahr um 60 Prozent wachsen und Erlöse von dann 6,1 Milliarden Euro erzielen wird. Bis 2016 könnten es 13,6 Milliarden Euro sein. "Big Data zählt zu den wichtigsten Wachstumstreibern für viele Industrien", so Experte Weber. "Unternehmen aller Größenklassen, auch mittelständische, sowie Wissenschaft und Staat könnten davon profitieren."

Wenn alle Akteure einer Organisation mehr oder minder zeitgleich auf dieselben Informationen zugreifen können, vereinfacht das nicht nur interne Prozesse. Die valide Datenbasis erleichtert auch Marketing- und Vertriebsabteilungen ihre Arbeit, ermöglicht es, Kunden maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten, Streuverluste in der Werbung zu minimieren. "Dank Big Data können Unternehmen Management-Entscheidungen so valide vorbereiten und begründen wie nie zuvor", erklärt Weber.

So groß die Freude über die neuen Möglichkeiten auch sein mag - die Angst vor Ausspähung ist es ebenfalls. "Viele Big-Data-Analysen sind nach deutschem Recht zwar zulässig, wenn sie nur Daten verarbeiten, die keiner konkreten Einzelperson zugeordnet werden können", beruhigt Anwalt Dorner. In allen anderen Fällen sei jedoch eine Interessenabwägung durchzuführen. Die falle am ehesten zugunsten der Betriebe aus, wenn die Analyse allgemeine Trends ermittle und und nicht vorrangig der Bildung kundenspezifischer Profile diene.

Auch manch strukturelles Problem ist noch zu lösen, zumal das deutsche Datenschutzrecht in Teilen recht antiquiert daherkommt. "Die Gesetze bezwecken heute wie vor vierzig Jahren, dass möglichst wenig Daten erhoben und gespeichert werden", erläutert Arnd Böken, Partner bei Graf von Westphalen in Berlin. In einer Zeit, in der die meisten Menschen Facebook oder Twitter nutzen, sei diese Sichtweise überholt. Böken: "Es wäre wichtiger vorzugeben, wie die vielen Daten verwendet werden dürfen. Wir brauchen Regelungen, die danach unterscheiden, welche Anwendungen sinnvoll und nützlich sind, etwa im Bereich der Forschung oder des Energiesparens."

Catrin Gesellensetter
Catrin Gesellensetter
/ Freie Wirtschaftsjournalistin
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%