IT-Gipfel

Regierung setzt auf Industrie 4.0

Minister Gabriel kündigt neue Struktur für IT-Gipfel an. Die Veranstaltung soll geöffnet werden und die Digitalisierung der Industrie in den Fokus stellen. Es gilt, die Balance zwischen Regulierung und Chancen zu finden
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Digitalisierung ist Chefsache
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Industrie 4.0: Unter diesem Schlagwort werden Digitalisierung und Datenaustausch das Produkt- und Serviceangebot der Firmen revolutionieren und letztlich Kundenbedürfnisse besser erfüllen. Um die Potenziale auszuschöpfen, sind erhebliche Investitionen erforderlich. Daher nimmt das Thema zwingend einen Spitzenplatz auf der Agenda der Chefs deutscher Industrieunternehmen ein. Auch bei Messen wie im Bild der in Hannover rückt das Thema klar in den Fokus.

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Milliarden-Investitionen: Die befragten Industrieunternehmen werden in den nächsten fünf Jahren etwa die Hälfte ihrer geplanten Ausrüstungsinvestitionen in Industrie-4.0-Lösungen lenken. Bezogen auf die deutsche Industrielandschaft wären das mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr.

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An der richtigen Stelle investieren: Die Industrie muss mit immer weniger Rohstoffen und Energie immer größere Mengen Güter produzieren. Die Unternehmen versprechen sich durch eine Digitalisierung der Wertschöpfungsketten jährliche Effizienzsteigerungen von 3,3 Prozent, das macht 18 Prozent in den nächsten fünf Jahren. Die Kosten sollen um 2,6 Prozent pro Jahr sinken.

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Die Vorreiter der Industrie 4.0 profitieren bereits: Bislang haben rund 30 Prozent der Unternehmen ihre Produkte bereits weitgehend digitalisiert und ihr Angebot hin zu vernetzten und digitalisierten Dienstleistungen ausgebaut. Diese Unternehmen sind in den vergangenen drei Jahren überdurchschnittlich gewachsen. Das zusätzliche Umsatzpotenzial in den fünf industriellen Kernbranchen beziffert die Studie auf 30 Milliarden Euro.

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Neudenken: Industrie 4.0 wird bestehende Geschäftsmodelle nachhaltig verändern und neue digitale Geschäftsmodell hervorbringen. Die Unternehmen vernetzen sich mit Kunden und Partnern. Die besondere Qualität des digitalen Wandels liegt dabei in der rasanten Beschleunigung der Veränderungsgeschwindigkeit. Disruptive Innovationen - das sind Erfindungen, die ihre Vorgängertechniken vollständig verdrängen - führen dazu, dass sich ganze Industrien in kurzer Zeit nachhaltig verändern.

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Die richtige Kennzeichnung: In fünf Jahren wird die Fähigkeit zur effizienten Analyse und Nutzung von Daten entscheidend für die Geschäftsmodelle der Unternehmen sein. Dabei liegt der Fokus auf dem Datenaustausch in der eigenen Wertschöpfungskette, der digitalen Kennzeichnung der Produkte und der Nutzung von Echtzeitdaten zur Steuerung der Produktion.

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Auf die Mitarbeiter kommt es an: Um Champions in der Industrie 4.0 zu werden, müssen die Unternehmen zahlreiche Herausforderungen meistern. Im Zentrum stehen dabei die hohen Investitionen und eine häufig noch unklare Wirtschaftlichkeitsrechnung für neue Anwendungen. Zudem müssen die Mitarbeiter für die Anforderungen der digitalen Welt qualifiziert und Aufgaben im Bereich der Datensicherheit gelöst werden.

BerlinAchthundert Gäste, darunter Kanzlerin Angela Merkel, sechs Bundesminister sowie Staatssekretäre und Unternehmensvertreter: Der IT-Gipfel, der 2006 als intime Runde mit 100 Fachleuten gestartet war, soll künftig eine neue Form erhalten. Das kündigte Gastgeber Sigmar Gabriel (SPD) beim 8. Treffen mit der IT-Branche in Hamburg an.

Der Wirtschaftsminister will das Branchentreffen der IT-Wirtschaft über eine „stärkere Öffnung“ für gesellschaftliche Gruppen und Anwender wie die Automobilbranche, die Elektrotechnik oder den Maschinenbau bei gleichzeitiger „Fokussierung“ breiter aufstellen. Es sei „eines der besten Netzwerke, die es in Europa gibt“. Nach Informationen des Handelsblatts soll es eine konzertierte Aktion wie bei der Plattform Elektromobilität geben. Sie soll die Regierung mit konkreten Empfehlungen bei der Digitalisierung der Gesellschaft unterstützen. Dazu wird es sieben Arbeitsgruppen geben – entsprechend den Kapiteln der Digitalen Agenda der Regierung.

Merkel erklärte, der Gipfel sei „ein bisschen in die Jahre gekommen“. Inzwischen stehe die Digitalisierung der Industrie im Fokus. Es gehe darum, „Maß und Mitte“ zwischen Regulierung und Chancen zu finden. Es sei „ganz falsch, Innovationen, die wir noch gar nicht kennen, im Voraus zu regulieren“, sagte Merkel. „Wir müssen Big-Data-Management ermöglichen“, sagte sie. Dazu sei es wichtig, „intelligente Schnittstellen“ zu schaffen. Diese könnten womöglich selbst als „Marke Deutschlands“ Wertschöpfung erzeugen.

Die Kanzlerin erklärte, die Bundesregierung werde sich auf europäischer Ebene für Netzneutralität einsetzen, damit jeder Nutzer und jeder Anbieter gleichen Zugang zum Internet habe. Die Regierung werde dafür werben, „Kategorien für Dienste zu schaffen“.

Wirtschaftsminister Gabriel sagte, es gehe inzwischen nicht mehr um Datenschutz, sondern vielmehr um „Datensouveränität“. Die Menschen müssten in der Lage sein zu entscheiden, was mit ihren Daten geschehe, wenn sie sie offenlegen. Hinweise in den Geschäftsbedingungen oder eine Datenschutzerklärung des Anbieters reichten nicht aus. „Wir müssen über Verfahren wie ein Gütesiegel nachdenken“, sagte Gabriel. Entscheidend sei die Antwort auf die Frage, wer in Zukunft „Innovations- und Wachstumstreiber“ sein werde: Datenverarbeiter wie Google oder Unternehmen, die die Daten generieren.

Gabriel kündigte bis 2017 Fördermittel von 430 Millionen Euro an, die die Regierung bereitstelle. Zu den Feldern gehöre, die Forschung und Entwicklung von Diensten rund um die Digitalisierung der Industrie zu flankieren. Auch soll der Mittelstand über „fünf Zentren für Information und Demonstration zu Industrie 4.0“ für die Digitalisierung sensibilisiert werden.

Wenn Maschinen reden lernen
Binärcode auf Wand
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„Das Internet hat sich in der realen Industriewelt eingenistet“, sagte Angela Merkel zuletzt auf der Computermesse Cebit. Wovon die Bundeskanzlerin hier spricht, nennt sich Industrial Internet, Industrie 4.0 oder auch Internet der Dinge, und ist wohl eines der größten Zukunftsthemen überhaupt.

Commodore
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Nachdem in den 1970er Jahren die ersten PCs auf den Schreibtischen ihren Platz fanden, veränderten später das Web und E-Mails die gesamte Gesellschaft. Facebook und Xing waren als soziale Netzwerke nur noch die logische Konsequenz. Doch das Potenzial des Internets ist damit lange nicht ausgeschöpft. Denn vernetzen können sich nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen.

huGO-BildID: 31467912 This undated photo provided by Facebook shows the server room at the company's data center in Prineville, Ore. The revelat
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Die wachsenden Datenströme, Stichwort „Big Data“, sind Konsequenz der Vernetzung und Grundlage für diese neue Revolution von Industrie und Internet. Innovative Softwarelösungen und Analyseverfahren sollen dort Informationen produzieren und Daten nutzen, wo es bisher nicht der Fall war. Datenverarbeitung, IT und industrielle Fertigung treffen aufeinander.

warehouse
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Das Potenzial, Zeit und Ressourcen zu sparen, ist über viele Branchen hinweg enorm: Maschinen können schneller und effizienter gewartet werden. Güter kommen schneller und günstiger an ihren Zielort. Sensoren machen eine bessere Überwachung von Motoren, Turbinen oder medizinischem Equipment möglich.

Flugzeug
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Ein Beispiel für das entstehende Industrial Internet kommt aus der Flugzeugindustrie. Mit Hilfe von Sensoren können in Turbinen Daten gesammelt werden – unabhängig davon, ob diese sich gerade in der Luft oder am Boden befinden. Die Zentrale erhält die Daten in Echtzeit, um etwa Lösungen für einen zu hohen Benzinverbrauch zu ermitteln.

Flugzeugturbine
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Darüber hinaus kann noch während sich die Maschine in der Luft befindet festgestellt werden, ob eine Wartung nötig ist. Termine können so optimiert werden. Von der Datenanalyse kann ebenso die Entwicklung neuer Antriebe profitieren.

Pflegekräfte brauchen Köpfchen und Einfühlungsvermögen
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Im Gesundheitswesen lassen sich durch ein globales Datennetz Notfalltransporte verfolgen und überwachen. Patienten gelangen dadurch schneller in die Krankenhäuser, wo das Personal darauf vorbereitet ist, sie zu empfangen.

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