IZES-Studie
Ausschreibungen machen Energiewende nicht billiger

Durch mehr Wettbewerb soll der Ausbau erneuerbarer Energien billiger und besser steuerbar werden. Doch einer Studie zufolge würden Ausschreibungen die Kosten nicht senken.
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BerlinDie geplanten Ausschreibungen von Ökostrom-Projekten werden die Kosten der Energiewende einer Studie zufolge nicht senken. "Wir haben nicht feststellen können, dass Ausschreibungen kosteneffektiver wären als das bisherige System", sagte Uwe Leprich vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) am Dienstag in Berlin. Man wolle zwar mit mehr Wettbewerb den Ausbau erneuerbarer Energien billiger machen und genauer steuern. "In der Praxis ist man aber weit davon entfernt, diese Ziele zu erreichen", sagte Leprich nach Auswertung entsprechender Modelle im Ausland. Er verwies darauf, dass Solarstrom im sonnenreichen Südfrankreich gut 20 Prozent teurer produziert werde als in Deutschland. Die IZES-Studie entstand im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien (BEE).

Die EU und die Bundesregierung wollen ab 2017 ein Auktionsverfahren für Ökostrom-Kraftwerke einführen: Dabei sollen diejenigen Betreiber den Zuschlag erhalten, die die geringsten Subventionen für das Projekt verlangen. Damit könnte die Regierung auch die Menge des Zubaus genauer steuern und Risiken durch Änderungen des Strompreises am Markt auf die Betreiber verlagern. Bislang erhalten Ökostrom-Produzenten in Deutschland einen im vorhinein, auf meist 20 Jahre festgelegten Preis für ihren Strom und können den Standort der Anlage weitgehend frei wählen.

Leprich nannte eine Reihe von Faktoren, die Projekte bei einem Auktionsverfahren verteuerten: So würden allein die Bewerbungsunterlagen etwa für kleine Vorhaben erheblichen Aufwand verursachen. Dazu würden sich die Finanzierungskosten, also die Zinsen, durch die Banken erhöhen, da die bisherige Sicherheit der festgelegten Preise wegfalle. Die Erfahrung im Ausland habe zudem gezeigt, dass am Ende meist deutlich weniger Projekte umgesetzt wurden als geplant. Immer wieder springen Unternehmen ab, die den Zuschlag zwar bekommen haben, dann aber merken, dass sich Projekte nicht mehr rechnen.

Während die EU in ihren Leitlinie für die Ökostrom-Förderung die Ausschreibung nur für größere Anlagen ab sechs Megawatt verlangt, ist im Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG), das derzeit im parlamentarischen Verfahren ist, keine Untergrenze vorgesehen.



Kleinere Betreiber und Bürgergenossenschaften fürchten, durch das aufwendige Auktionsverfahren von den Konzernen aus dem Markt gedrängt zu werden. Sie fordern daher das bisherige System für Kleinanlagen zumindest beizubehalten. Als ein wichtiges Element der Energiewende in Deutschland galt bisher, dass sie nicht allein von Großkonzernen, sondern von den Bürgern selbst getragen wird.

Details der Ausschreibungen, etwa nach Regionen oder Technologien, sind auch in der Bundesregierung noch unklar. Es soll daher zunächst eine Testphase mit Solarfreiflächen geben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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