Juwi-Chef Willenbacher
„Man will die teuerste Technologie vorantreiben“

Matthias Willenbacher, Gründer der Ökostrom-Gruppe Juwi, vertritt die radikale These, dass die komplette Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien bis 2020 machbar ist - ohne teure Windparks im Meer.
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Im Konferenzraum des Juwi-Büros in Berlin-Mitte packt Matthias Willenbacher kurzerhand selbst an. Er hilft mit, die Pinnwand in den Flur zu tragen, damit der Fotograf zufrieden ist. Dann gießt er sich einen Pfefferminztee ein, denn Kaffee ist dem Gründer und Vorstand des großen Projektierers von Solar- und Windparks ein Gräuel. Als Kind wurde ihm davon mal übel, erzählt er vor dem Interview.

Herr Willenbacher, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel noch gut auf Sie zu sprechen?
(lacht) Das kann ich nicht beurteilen. Warum?

Sie haben ihr schließlich "ein unmoralisches Angebot" gemacht.
Ich glaube, dass sie mein Buch "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin" noch nicht gelesen hat. Bisher gibt es von ihr jedenfalls nicht die geringste Reaktion.

Sie wollen den Anteil an Ihrem Unternehmen Juwi verschenken, wenn die Kanzlerin die Energiewende bis 2020 durchzieht. Ist das ernst gemeint?
Das ist sehr ernst gemeint. Denn ich möchte, dass die Energiewende in Deutschland gelingt. Derzeit ist bei uns doch der Tenor: Energiewende ja bitte, aber sie muss bezahlbar sein. Wenn man die Energiewende in Berlin wirklich wollte, würde man sich mehr um Lösungen kümmern. Stattdessen diskutiert die Bundesregierung, wie sie die Energiewende entschleunigen kann.

Was meinen Sie konkret?
Man will ausgerechnet die teuerste Technologie, die Offshore-Windparks, mit aller Kraft vorantreiben. Sie erhalten zu Beginn die hohe Förderung von 19 Cent pro Kilowattstunde, ohne zu wissen, was irgendwann mal als realistischer Strompreis herauskommt.

Aber Windparks im Meer kommen doch auf viel mehr Volllaststunden als Windparks an Land. Sie produzieren also viel mehr Strom.
Das stimmt so nicht mehr. Die Technik hat sich weiterentwickelt. Es gibt heute schon Windanlagen an Land mit großen Rotorblättern, die 3500 bis 4000 Volllaststunden erreichen. Das heißt: Sie kommen schon nahe an die Leistung der Windmühlen im Meer heran. Sie sind aber deutlich billiger als Offshore-Anlagen. Damit ist auch der Strom deutlich billiger.

Sie meinen also, wir könnten uns die milliardenschweren Investitionen in die Windparks im Meer sparen?
Ja, auf jeden Fall.

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