Kernkraft
Nur der Ausstieg ist sicher

Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima bleibt die Frage: Wie bekommen wir in kurzer Zeit sichere Zwischen- und Endlager für den Atommüll. Und: Wer bezahlt sie?
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Der Besuch von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im lecken Atomzwischenlager Asse ging weitgehend ohne mediales Echo über die Bühne. Wo aber sind die besorgten Analysten, die die angeblich überbordenden Kosten der Erneuerbaren beklagen und das Ende des Wirtschaftsstandorts/Industrielandes Deutschland an die Wand malen, wenn es um die eigentlichen Kosten und Fehlentwicklungen der Energiepolitik der letzten Jahrzehnte geht? Die Rede ist von der unrentablen Atomkraft und der ungelösten Endlagerung.

Fest steht: Der Atomausstieg kann in aller Ruhe fortgesetzt werden, wie es in der 13. Novelle des Atomgesetzes im Sommer 2011 beschlossen wurde: Spätestens im Dezember 2015 wird das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld geschlossen, bis 2022 folgen dann die anderen. Die Schließung von Grafenrheinfeld mit ca. 1,3 Gigawatt (GW) Kapazität ist im deutschen Maßstab "Peanuts". Doch auch für die Zeit nach dem Atomausstieg Mitte der 2020er-Jahre ist keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit zu befürchten.

Selbst in extremen Wetterlagen sind die dem Bundesbedarfsplan zugrunde liegenden Kraftwerkskapazitäten ausreichend, um ganz Deutschland sicher mit Strom zu versorgen. Dafür bedarf es auch der zwei Stromautobahnen nicht, mit denen eine Direktanbindung Süddeutschlands mit den Braunkohleregionen im Rheinland und Mitteldeutschland bewerkstelligt werden soll. Diese Maßnahme würde eine Zementierung der Braunkohlenutzung in den nächsten 50 Jahren bedeuten. Die deutschen Klimaziele könnten dann nicht nur für 2020, sondern auch für 2050 abgeschrieben werden.

Angesichts von ca. 20 GW an Kraftwerksneubauten seit 2000 - dies übersteigt die Erzeugungsleistung aller abzuschaltenden AKWs - erscheint die Dramatik aus gesamtwirtschaftlicher Sicht überzogen. Das deutsche Stromsystem ist sicher und wird es auch nach dem Atomausstieg sein.

Der eigentliche Skandal aber liegt in der weit verbreiteten Vernachlässigung der Kosten der Atomkraft sowie der bis heute ungelösten Endlagerfrage. Der Steuerzahler hat die Atomkraft über viele Jahrzehnte subventioniert, um sie trotz hoher technischer Risiken, die bis heute keine Versicherung zu tragen bereit ist, am Leben zu halten. Dazu gehören Subventionen für Infrastrukturausbau und Forschung und Entwicklung sowie Haftungsübernahmen und Endlagerungskosten. Doch von Letzteren ist noch nicht einmal die Höhe bekannt.

Infografik Woher kommen die Rohstoffe für deutsche Energie?



Dabei ist die bizarre Situation der maroden Asse, in der über Jahrzehnte hinweg der drohende Einsturz verhindert und der Atommüll aufwendig geborgen wird, nur die Spitze des Eisbergs. Noch gefährlicher ist die ungelöste langfristige Lagerung der hochradioaktiven Brennelemente aus den Meilern. Die deutsche Energiepolitik der letzten Jahrzehnte war nicht in der Lage, diese Frage ernsthaft anzugehen, wie bis zum heutigen Tag kein anderes Land weltweit. Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima aber sollte uns die Frage umtreiben: Wie bekommen wir in kurzer Zeit sichere Zwischen- und Endlager für den Atommüll. Und: Wer bezahlt sie?

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