Klimaforscher fordern
Weg von der Kohle

Klimaforscher fordern in Warschau eine Abkehr vom Kohlestrom. Alternativen seien verfügbar und bezahlbar, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von 29 Forschern. Die Kohlenutzung sei eine Gefahr für die Menschheit.
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Berlin/WarschauDer Trend zur Kohlenutzung führt nach Ansicht renommierter Klimaforscher zu einer Gefahr, „die über alles hinaus geht, was die Menschheit während ihrer gesamten Existenz auf diesem Planeten bisher erlebt hat“. In einer gemeinsamen Erklärung widersprachen die 27 Klima- und Energieexperten aus Deutschland, den USA, Japan, Frankreich, Brasilien und anderen Staaten der Behauptung, dass sich das Klima-Problem mit emissionsarmen Kohleverbrennungstechnologien lösen lasse.

Unter den deutschen Unterzeichnern sind die Professoren Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung.

„Selbst die effizientesten kohlebefeuerten Kraftwerke stoßen etwa 15 mal mehr Kohlendioxid pro Kilowattstunde aus als erneuerbare Energiesysteme und mehr als zwei mal so viel wie effiziente gasbefeuerte Anlagen“, hieß es in der in Warschau veröffentlichten Stellungnahme. In der polnischen Hauptstadt begann am Montag eine internationale Kohlekonferenz. Bereits seit einer Woche tagt ebenfalls in Warschau die UN-Klimakonferenz.

„Alternativen sind verfügbar und bezahlbar“, heißt es in dem Appell. Die Wissenschaftler differenzieren zwischen der herkömmlichen Kohleverstromung und kohlebefeuerten Kraftwerken, die mit Systemen zum Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid (CCS) ausgestattet sind. Nur derartige Kohlekraftwerke könnten niedrigere Emissionswerte als Gaskraftwerke ohne CCS erreichen und „darum als kohlendioxidarme Technologie angesehen werden“. Bei Berücksichtigung „externer Kosten von Gesundheits- und Klimaschäden“ zeige sich aber, dass Strom aus erneuerbaren Quellen billiger als Strom aus fossilen Brennstoffen sei.

Kohle ohne die CCS-Technologie sei „nicht geeignet“, das globale Klimaziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad einzuhalten, erklären die Wissenschaftler. Die Abwendung eines „gefährlichen Klimawandels“ könne nur erreicht werden, wenn das Gros der fossilen Brennstoffreserven „unter der Erde“ verbleibe. Die derzeitigen Trends der Kohlenutzung förderten einen Klimawandel mit katastrophalen Folgen, darunter extreme Hitzewellen und ein Ansteigen des Meeresspiegels, das hunderte Millionen Menschen betreffe.

Die European Climate Foundation hat für Montag in Warschau zu einer Pressekonferenz eingeladen, auf der das Anti-Kohle-Statement von 29 Forschern vorgestellt werden soll.

Umweltschützer protestieren in Warschau

Unterdessen haben Umweltschützer am Montag in Warschau gegen die Nutzung von Kohle protestiert. Aktivisten von Greenpeace kletterten auf das Dach des polnischen Wirtschaftsministeriums, wo eine internationale Kohlekonferenz begann.

Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift: „Wer regiert Polen – die Kohleindustrie oder das Volk?“. Auch vor dem Warschauer Nationalstadion, wo seit einer Woche die UN-Klimakonferenz tagt, protestierten Umwelt- und Nichtregierungsorganisationen gegen Kohleenergie und ihre Schäden für Umwelt und Klima.

Die polnische Stromerzeugung stützt sich zu 90 Prozent auf Kohle. Einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrage zufolge würden mehr als 70 Prozent der Polen erneuerbaren Energien den Vorzug vor Strom aus Kohle geben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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