Klimagipfel
Kampf um Energieeffizienz

Der EU-Gipfel am Donnerstag soll europäische Klimaziele fortschreiben. Doch einige Mitgliedstaaten bremsen. Vor allem Großbritannien stellt sich quer. Namhafte Unternehmen fordern mehr Ehrgeiz.
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BrüsselDie EU-Staaten tun sich schwer, die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu reduzieren. Bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag werden die Staats- und Regierungschefs ambitionierten und verpflichtenden Vorgaben zur Einsparung von Energie wohl einen Riegel vorschieben. "Auf EU-Ebene wird ein indikatives Ziel von 30 Prozent zur Verbesserung der Energieeffizienz bis 2030 festgelegt", heißt es in der Schlusserklärung, deren Entwurf dem Handelsblatt vorliegt. Diplomaten schließen nicht aus, dass die Zahl noch niedriger ausfällt: Großbritannien lehnt ein Effizienzziel rundheraus ab, und auch Polen und andere Staaten Osteuropas bremsen.

Angesichts der Ukraine-Krise betont die EU seit Monaten, sich in punkto Versorgung unabhängiger vom Ausland machen zu wollen. Energieeinsparung gilt dabei als probates Mittel. Die Kommission hat vorgerechnet, mit einem Effizienzziel von 40 Prozent könne die EU ihre Gasimporte um rund 40 Prozent und ihre Ölimporte um 19 Prozent gegenüber 2010 senken; mit dem Ziel von 30 Prozent seien es lediglich 22 und 16 Prozent.

Zahlreiche Unternehmen werben nun in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman van Rompuy für eine Einigung auf ein verbindliches Energieeffizienzziel von 40 Prozent; mit dabei sind General Electric, Knauf Insulation, Philips, Rockwool sowie Schneider Electric, Siemens und Velux. Mit jedem Prozentpunkt Effizienzsteigerung könne die Abhängigkeit der EU von Gasimporten um 2,6 Prozent sinken, heißt es in dem Brief.

Der Druck auf die 28 Staaten, Ende der Woche zu einer Einigung für die Zeit nach 2020 zu kommen, ist groß. Nur so kann die EU beim Weltklimagipfel 2015 in Paris glaubwürdig für international verbindliche Klimaschutzziele eintreten.

Infografik Der große Umbau



Laut Gipfelerklärung will die EU den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 um 40 Prozent bis 2030 senken. Zudem will die EU vorschreiben, den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch im selben Zeitraum auf 27 Prozent zu erhöhen. Die energieintensive Industrie sieht die europaweiten Vorgaben skeptisch. Umweltverbände mahnen indes mehr Ehrgeiz an. Das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken, sei mit den zu erwartenden Klimabeschlüssen nicht zu erreichen.

Mit den Zielen für 2030 schreibt die EU ihre 2008 gefassten Ziele für 2020 fort. Der Beschluss damals: 20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen (Basisjahr 1990), 20 Prozent Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen sowie eine 20-prozentige Steigerung der Energieeffizienz bis 2020. Auf dem Weg dorthin sind die EU-Staaten gut vorangekommen.

Bis 2013 sind die Treibhausgasemissionen um gut 20 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der erneuerbaren Energien erreichte bis 2012 den Wert von 14,1 Prozent. Ungünstiger sieht es bei der Steigerung der Energieeffizienz aus. Hier bleiben die meisten Mitgliedstaaten hinter den Zielen zurück, Brüssel geht aber davon aus, dass bis 2020 eine Effizienzsteigerung von 18 bis 19 Prozent möglich sein wird. Eine besondere Rolle zur Erreichung der Klimaziele soll auch künftig der Handel mit Zertifikaten zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 spielen. Ein Überangebot hatte die Preise drastisch sinken lassen. Von 2021 an will die EU die Verschmutzungsrechte jährlich um 2,2 Prozent verknappen. Bislang sind es 1,74 Prozent. Weniger wohlhabende Staaten sollen vom Emissionshandel gesondert profitieren, um sie zu ermuntern, stärker in nachhaltige Technologien und in die Modernisierung von Kohlekraft zu investieren. Diplomaten sprechen von einer "neuen Art der Solidarität", die akzeptiere, dass Kohlekraft auf absehbare Zeit noch eine große Rolle in Europa spielen werde. Viele osteuropäische Staaten setzen auf Kohlekraft.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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