Klimagipfel
Provinzielle Energiewende

Es ist an der Zeit für eine effiziente und globale Klimapolitik: Für die Schwellenländer sollten mehr Anreize geschaffen werden, nicht denselben CO2-intensiven Wachstumspfad einzuschlagen wie die Industrieländer.
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Wenn sich die internationale Führungselite heute zum Klimagipfel in New York versammelt, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht dabei. Mit ihrer Absage hat sie nicht nur Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verärgert, ihr Fehlen steht sinnbildlich für die deutsche Energiewende. Hierzulande konzentriert sich die Politik zu sehr auf rein nationale Lösungen - und macht sich damit etwas vor. Denn mit deutschen Biogasanlagen lässt sich der Klimawandel nicht aufhalten.

Der weltweite Anstieg von CO2-Emissionen in den vergangenen zehn Jahren ist größtenteils Schwellenländern wie China, Indien, Mexiko oder Indonesien zuzuordnen. Diese Länder werden noch lange brauchen, den Entwicklungsstand der Industrieländer zu erreichen. Das chinesische Pro-Kopf Einkommen beträgt 25 Prozent des deutschen. In Indien leben 400 Millionen Menschen von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag. Sie alle streben nach mehr Wohlstand. Dazu ist Energie nötig, und die kommt größtenteils aus fossilen Brennstoffen. Eine ehrlichere Diskussion über die Energiewende muss diese Realitäten stärker einbeziehen - und nach globalen Lösungen suchen.

In Schwellenländern lassen sich teilweise wesentlich günstiger höhere CO2-Einsparungen erzielen als in Industrieländern. Der "Economist" hat unlängst vorgerechnet, dass Brasilien in den vergangenen acht Jahren sechsmal mehr CO2 eingespart hat als Deutschland - weil die Regierung die rasante Abholzung verlangsamt hat. Für diese Länder sollten mehr Anreize geschaffen werden, nicht denselben CO2-intensiven Wachstumspfad einzuschlagen wie die Industrieländer.

Derzeit gehen sie eben diesen Weg, etwa über unsinnige Subventionen von Benzin oder anderen fossilen Brennstoffen. Die Menschen dort haben sich an künstlich niedrige Energiepreise gewöhnt - und achten weniger auf ihren Verbrauch. Es liegt auch im Eigeninteresse dieser Länder, die Verschwendung zu stoppen.

Deutschland sollte sein Geld anders einsetzen

Da der Klimawandel ein globales Problem ist, sollte Deutschland besser abwägen, wie und wo es sein Geld einsetzt. So brauchen wir aus klimapolitischer Sicht keine deutsche Solarindustrie. Ein signifikanter deutscher Beitrag zu einem globalen Klimafonds wäre der besserer Weg. Solch ein Fonds könnte die Einführung von Technologien dort fördern, wo sie am meisten bringen.

In Ländern des Südens etwa kostet Solarenergie weitaus weniger als bei uns. Doch Solarzellen sind für sie sehr teuer. Tatsächlich werden die Gesamtkosten für eine Energiewende in Schwellen- und Entwicklungsländern auf mindestens 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt - so viel, wie für die gesamte Entwicklungshilfe derzeit zur Verfügung steht.



Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz oder der europäische Emissionshandel sind vor allem sinnvoll als Laboratorien für Klimapolitik, setzen aber global kaum sinnvolle Anreize. Möglicherweise haben die deutschen Subventionen der Solarbranche zu sinkenden Preisen von Solarmodulen auf dem Weltmarkt geführt - ein erster Schritt zu einer bezahlbaren globalen Energiewende. Das ist der eigentliche klimapolitische Beitrag Deutschlands, wenn man mal ehrlich ist.

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