Klimakonferenz
Warschauer Klimazirkus

Nach dem Gipfel sind die Umweltziele in weite Ferne gerückt, beklagt Klaus Stratmann. Dass das nächste Treffen in zwei Jahren mit einem brauchbaren Ergebnis endet, bezweifeln viele Umweltschützer schon jetzt.
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Viele Umweltschützer zogen bereits am Donnerstag die Konsequenzen: Entnervt verließen sie zu Hunderten einen Tag vor dem offiziellen Ende der Warschauer Klimakonferenz das zum Tagungszentrum umgebaute polnische Nationalstadion. Der Gipfel sei zum Klimazirkus verkommen, so die Begründung für den verfrühten Aufbruch. Man muss mit den Nichtregierungsorganisationen nicht in jedem Punkt übereinstimmen, aber ihr Resümee trifft den Kern der Sache.

Der Versuch, die Staatengemeinschaft auf neue verbindliche Ziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen einzuschwören, ist in Warschau gescheitert – grandioser noch als bei den Weltklimakonferenzen in den Jahren zuvor. Die Fliehkräfte sind eher größer als kleiner geworden. Wichtige Player haben die Bühne bereits verlassen oder bereiten ihren Abgang vor. Die Ankündigung Japans, jeden Ehrgeiz bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen aufzugeben, belegt das. Teilnehmer berichten, von Verhandlungen habe man in Warschau nicht reden können. Vielmehr hätten die Verhandlungsführer schlicht ihre Positionen vorgetragen. Mehr nicht. Inhaltliche Annäherungen seien nirgends erkennbar.

Die Chancen, dass in Paris 2015 ein Abkommen mit verbindlichen Zielen geschlossen wird, sind deshalb eher gesunken als gestiegen. Statt weiter an diesem unerreichbaren Ziel festzuhalten, sollten die Akteure sich auf das Machbare besinnen. Dabei könnte das Uno-Klimasekretariat eine tragende Rolle spielen: Es könnte – weit mehr als heute – Klimaschutzinitiativen weltweit koordinieren, Finanzierungsinstrumente entwickeln, technische Lösungen aufzeigen; kurzum: zum Inkubator, Motivator, Moderator und Antreiber im Klimaschutz werden, möglichst verlässlich ausgestattet mit erheblichen Mitteln, die die Industriestaaten zur Verfügung stellen müssen. So könnte binnen kurzer Frist der Beweis erbracht werden, dass Klimaschutz eine Keimzelle des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts sein kann.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich die Staatengemeinschaft Jahr für Jahr zu Klimaschutzkonferenzen trifft. Doch zu erwarten, die Länder der Erde würden sich selbst ein verbindliches und ambitioniertes Ziel verordnen, ist – leider – naiv.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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