Klimaschutz
Die Mär vom grünen Jobwunder

Der Umweltschutz wird Teil des normalen Geschäfts, hat aber nur für einen mäßigen Zuwachs von Arbeitsplätzen gesorgt. Das zeigt eine Studie.
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Der lange als Jobkiller gebrandmarkte Umweltschutz hat sich zu einem wichtigen Faktor für den deutschen Arbeitsmarkt entwickelt. Klimawandel und Umweltauflagen treiben den Sektor seit Jahren. Allerdings: Die Erwartung, der Umweltschutz könne zu einem starken Jobmotor werden, hat sich bislang nicht erfüllt.

Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Dieser Studie zufolge ist die Zahl der im Umweltschutz beschäftigten Personen in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gestiegen. Die letzte verfügbare Zahl wird mit knapp zwei Millionen für 2010 angegeben. "Wir sprechen hier also über fast fünf Prozent aller Erwerbstätigen", so UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann. Das Plus lag jedoch lediglich bei 18.000 Arbeitsplätzen in zwei Jahren. Beschäftigungsrückgänge gab es bei umweltorientierten Dienstleistungen sowie erneuerbaren Energien.

Wirtschaftsforscher bestreiten nicht den positiven Effekt, den der Umweltschutz auf die Beschäftigung hat. "Allerdings werden durch verschärfte Umweltgesetze, steigende Umweltabgaben und Förderung erneuerbarer Energien auch Arbeitsplätze in anderen Bereichen verdrängt", sagt Johann Wackerbauer vom Münchener Ifo-Institut.

"Die Schwierigkeit besteht darin, eine Branche abzugrenzen, die es eigentlich gar nicht gibt", argumentiert Hubertus Bardt vom IW Köln. "Unternehmen beschäftigen sich aber zunehmend mit Fragen der Umwelt - allerdings häufig nicht nur wegen der Umwelt per se, sondern auch, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen."

Die Folge: Umweltbeeinflussende Fragen werden für immer mehr Arbeitsplätze über viele Branchen hinweg relevant - würden aber, so die Wirtschaftsforscher, quasi Teil des normalen Geschäfts. Wackerbauer nennt ein Beispiel aus der Kfz-Branche: "Entwickelt und verkauft werden sollen energieeffiziente Autos, damit die CO2-Grenzwerte eingehalten werden und die Kunden am Ende weniger Geld für Benzin ausgeben müssen.

Unabhängig von der Branche: Die Zukunftsaussichten sind eher positiv. "Weil die Umweltgesetze kontinuierlich verschärft werden und für immer mehr Menschen die Umwelt wichtiger wird, ist der Arbeitsplatzeffekt langfristig positiv", sagt Wackerbauer. Auch international sei noch Luft: Weltweit, so UBA-Vize Holzmann, steige der Bedarf an Umwelt- und Klimaschutztechnik sowie an Produkten, die umweltfreundlich und ressourcenschonend seien. "Der internationale Konkurrenzdruck wächst aber."

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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