Kommentar
Eine Branche wird erwachsen

Neue Investoren verändern die deutsche Solarbranche radikal. Das Beispiel Conergy spricht Bände. Der US-Finanzinvestor Kawa Capital, übernimmt von dem insolventen Unternehmen fast alles – aber nicht die Fabrik.
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Große Erleichterung bei Conergy in Hamburg: Beim Solarunternehmen steigt der US-Finanzinvestor Kawa Capital Management ein. Doch der ist äußerst wählerisch. Er übernimmt von der insolventen Conergy nur Vertriebs-, Service-, Managementgesellschaften und die Marke. Von der deutschen Fabrik für die Module hingegen wollen die Amerikaner nichts wissen.

Kawa bricht mit einer Tradition in der notleidenden deutschen Solarindustrie: Bisher haben die Retter in ähnlichen Fällen immer ein Paket übernommen, zu dem zumindest auch Teile der Produktion gehörten. Doch Kawa will sich mit der preisumkämpften, solaren Hardware nicht belasten. Sie wollen nur die Software: die Erfahrung und das Personal, das Sonnenenergieparks plant, baut und betreibt.

Der Einstieg von Kawa markiert einen neuen Zeitabschnitt in der Solarindustrie. Bislang waren größere Finanzinvestoren daran interessiert, leistungsstarke Solarparks zu kaufen und als langfristig sicheres Renditeobjekt zu nutzen. Die Planung, den Bau und den Betrieb der Anlagen überließen sie dabei meistens anderen, den Profis aus der Projektierer-Branche.

Kawa aber nimmt das nun in die eigenen Hände. Damit greift der Investor etablierte deutsche Projektentwickler wie IBC Solar, Belectric oder Phoenix Solar an. Denn die Amerikaner verfügen über die Finanzkraft, um große Solarparks auf dem Weltmarkt zu stemmen und treten so in Konkurrenz zu den etablierten deutschen Mittelständlern.

Die jüngste Übernahme zeigt aber auch, wie schwer es wird, in Deutschland weiterhin Solarmodule und deren Vorprodukte zu fertigen. Conergy musste es in den vergangenen Jahren schon aufgeben, die Vorprodukte Wafer und Zelle selbst herzustellen. Heute verfügt das Unternehmen zwar noch über eine Fertigungskapazität für Module von 280 Megawatt. Das ist aber wenig im Vergleich mit chinesischen Konkurrenten wie Yingli und Trina. Die produzieren für den Weltmarkt im Gigawatt-Maßstab.

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