Kommentar
Energiewende – Heldentum wird nicht belohnt

Die Energiewende wird für Deutschland noch viel teurer, wenn das Freihandelsabkommen mit den USA Wirklichkeit wird. Denn wenn die wirtschaftlichen Schutzwälle fallen, droht mit ihr der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.
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Rational und ökonomisch betrachtet ist die deutsche Energiewende ein Desaster - und zwar in mehrfacher Hinsicht: Der Großhandels-Strompreis ist binnen gut zwei Jahren kontinuierlich um mehr als 50 Prozent gefallen, die Stromrechnungen der Bürger wie auch der Industrie sind jedoch rasant gestiegen. Schuld an der absurden Situation sind die hohen Subventionen für die Wind- und Solarenergie. Für uns Deutsche mag das in Ordnung gehen, schließlich glauben wir, damit das Klima und folglich die Welt zu retten.

Das Dumme ist nur, dass wir mit der Energiewende nichts und niemanden retten. Im Gegenteil: Der deutsche Ökostrom hat den europäischen Markt für CO2-Verschmutzungszertifikate zusammenbrechen lassen. Überall auf dem Kontinent lohnt es sich nun, die ältesten und dreckigsten Braunkohleschleudern am Netz zu lassen und die entsprechende Strafe zu zahlen. Es kostet ja so gut wie nichts.

Die paradoxe Situation ist entstanden, weil ein Land, nämlich Deutschland, in einer Freihandelszone, nämlich der Europäischen Union, aus den üblichen Standards und Normen ausgeschert ist und einen Alleingang unternommen hat - mit höheren Standards. Dass dies nicht funktionieren kann, merken die Unternehmen immer deutlicher.

Denn anderswo wird der Strom billiger - und zwar längst nicht nur in der EU. Gerade in Amerika sorgt der Boom an Schiefergas und -öl für einen regelrechten Verfall der Energiekosten. Rudolf Staudigl, Chef der Wacker Chemie AG, stellt nüchtern fest, dass allein die Abgaben auf Elektrizität in Deutschland höher sind als der Strompreis in Amerika. Deshalb baut Wacker nun in den USA ein Werk für 1,1 Milliarden Euro. Und der Konzern ist nicht allein.

Für viele energieintensive Unternehmen steht Amerika ganz oben auf der Liste der Länder, in denen sie neue Fabriken errichten und mehr produzieren wollen. Das liegt nicht nur an den günstigeren Energiekosten, sondern auch an den niedrigeren Löhnen sowie der staatlichen Förderung, die Firmen bekommen, wenn sie sich in den südlichen Staaten ansiedeln. Und künftig wird der Standort Amerika noch attraktiver - schließlich strebt die EU mit Nordamerika eine Freihandelszone an.

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Den globalen Konzernen ist es egal, wo sie ihr Geld verdienen

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