Maria van der Hoeven
„Die Verbraucher tragen die Kosten“

Die Chefin der Energieagentur IEA spricht im Interview über die Lehren aus der deutschen Energiewende. Eines der größten Probleme sieht sie in der Kostenverteilung: Die übernimmt vor allem der Verbraucher.
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Ihre niederländische Herkunft ist ihr bis heute anzumerken. Routiniert gibt die 64-jährige Maria van der Hoeven am Dienstag im Londoner Hilton-Hotel Antworten auf die Fragen der Experten. In ausgesuchtem Englisch - doch der Akzent ist nicht zu überhören. Seit 2011 leitet die ehemalige Bildungsministerin die IEA. Die Energieagentur berät weltweit 28 Regierungen in Energiefragen, darunter die deutsche Bundesregierung und das Weiße Haus. Sie gehört zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), und ihr Jahresausblick gilt als Bibel der Ölbranche. Mit dem Handelsblatt spricht van der Hoeven über die Energiewende in Deutschland und die Situation in Europa.

Frau van der Hoeven, Europa hat derzeit mehr Strom, als es braucht. Wieso muss investiert werden?
Der Energiebedarf steigt auch in Europa – und zahlreiche Kraftwerke müssen auch hier abgeschaltet werden. Weltweit muss in den nächsten 20 Jahren die immense Summe von 48 Billionen US-Dollar investiert werden, um das erreichte Wohlstandsniveau beizubehalten.

Was bedeutet das denn für Deutschland, das sich in Europa einer Energiewende hin zu erneuerbaren Energien verschrieben hat?
Wir haben uns die Energiewende in Deutschland mehr als einmal angeschaut, weil sie ein wichtiges Beispiel dafür ist, wie ein Land seine Energieversorgung umstellen kann. Der Punkt ist jedoch, dass Deutschland in der Mitte Europas liegt – und deshalb alles, was Deutschland tut, auch Konsequenzen für den Rest von Europa hat.

An welche Konsequenzen denken Sie dabei?
Was wir sehen, ist, dass die Kosten der Energiewende vor allem von den Verbrauchern getragen werden. Das ist eines der größten Probleme. Es ist eine kuriose Situation entstanden: In Deutschland herrscht eine grüne Hand, die auf regenerative Energien setzt. Aber die Leute vergessen dabei die schwarze Hand von Kohle und Gas, deren Kapazitäten in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen werden, weil viele Kraftwerke abgeschaltet werden.

Was ist dabei das Problem?
Das Vorkommen der Wind- und Sonnenenergie unterliegt größeren Schwankungen, was die Energieplanung und die Stromversorgung schwieriger macht. Das ist es, was uns Sorgen bei der deutschen Energiewende bereitet. Denn wenn in Deutschland etwas passieren sollte, dann hätte das wie gesagt Konsequenzen für den ganzen Rest von Europa.

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