Meereswindpark
Platz zum Üben – verzweifelt gesucht

Unternehmen müssen ihre Anlagen für Meerwindparks verbessern, um die Kosten zu senken. Doch Behörden genehmigen nicht genug Testfelder. Das gefährdet die bisherige Vorreiterrolle deutscher Firmen.
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Der deutschen Windbranche droht ein Testnotstand. "Mindestens zehn Unternehmen suchen derzeit Standorte für Prototypen von Offshore-Windanlagen in Deutschland", sagte Dirk Briese von Windresearch. "Aber es gibt derzeit keinen neuen verfügbaren Standort für Testanlagen auf dem Meer", kritisiert der Geschäftsführer des Marktforschers aus Bremen.

Wer keine Prototypen ausführlich testen kann, der kann auch keine neuen Windräder bis zur Marktreife entwickeln. Das bringt die noch junge deutsche Windkraftbranche in Bedrängnis. Sie steht massiv unter Druck, die Leistung ihrer Anlagen in den nächsten Jahren weiter zu steigern und die Kosten deutlich zu senken. Nur so können Meerwindparks in Zukunft mit anderen Energieformen wirtschaftlich konkurrieren.

Der Mangel an Teststandorten betrifft alle Unternehmen, die am Bau von Meerwindparks beteiligt sind. Das reicht von den Fundament- über die Turm- bis zu den Rotorblatt-Herstellern. Zu den Unternehmen, die Teststandorte vor und an der deutschen Küste entwickeln und suchen, gehören nach Angaben Brieses Konzerne wie der französische Hersteller Areva, der japanische Konzern Mitsubishi und die Stahlhersteller Vallourec Deutschland und Thyssen-Krupp Mannex.

Für die notwendigen Teststandorte sind behördliche Genehmigungen erforderlich. Die norddeutschen Landesregierungen setzen sich zwar grundsätzlich für den Ausbau der Offshore-Windenergie ein. Aber sie stellen derzeit keine neuen Teststandorte zur Verfügung. So verweist eine Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung darauf, dass Testanlagen in der wichtigen "Zwölf-Seemeilen-Zone auf die Gebiete Riffgat und Nordergründe beschränkt" seien.

Die strengen Auflagen hängen mit dem Umweltschutz zusammen. So dürfen Meerwindparks nur weit draußen vor der deutschen Küste entstehen, wo sie die Natur und die Aussichten von den Inseln wenig stören. Am leichtesten wäre es, bereits genehmigte Standorte nach Ablauf der Tests neu zu vergeben. Doch selbst da spielen die Behörden nicht mit.

Beispiel Hooksiel: Vor dem Deich des Ortes, westlich von Bremerhaven, steht derzeit ein großes Windrad im Meer. Es ist defekt und gehört der Firma Bard, die bis Ende des Jahres abgewickelt wird. Gerne würden andere Unternehmen aus der Windbranche die Anlage abbauen und den Standort für eigene Testzwecke nutzen. Doch das geht nicht.

"Neue Anlagen dürfen am gleichen Standort nach Raumordnungsrecht nicht zugelassen werden", erklärte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums. Auch im Rahmen des neuen Landesraumordnungsprogramms, das ab 2015 gilt, "erscheinen die Erfolgschancen dafür eher gering", sagte die Sprecherin.

Das kommt bei Unternehmen der Windkraftbranche schlecht an. "Wir brauchen hier dringend die entsprechende Unterstützung, das heißt die Ausweisung und Genehmigung von Teststandorten, um innovative Systeme in den Markt bringen zu können", fordert Claas Bruns von Vallourec.

Die Deutschlandtochter von Vallourec in Düsseldorf muss einen neuen Fundamenttyp für Offshore-Windräder testen, und zwar nahe der Küste im Meer. "In der dafür erforderlichen Wassertiefe von fünf bis 15 Metern gibt es für uns derzeit keinen verfügbaren Standort in Deutschland", kritisiert Bruns.

Noch viele weitere Unternehmen brauchen künftig zahlreiche neue Standorte - zum Beispiel Senvion aus Hamburg. "Wir entwickeln in den nächsten drei bis vier Jahren zwölf neue Prototypen", verrät Vorstandschef Andreas Nauen. Dafür braucht er entsprechend viele Teststandorte.

Nauen versucht, die Schwierigkeiten auch durch Partnerschaften zu lösen. "Wir hatten das Glück, dass der Energiekonzern EWE einen Standort hatte, auf dem wir unsere neue Sechs-Megawatt-Anlage nutzen konnten", nennt er ein Beispiel.

Es besteht aber die Gefahr, dass fehlende Teststandorte dazu führen, "dass Kostensenkungspotenziale aufgrund fehlender Erprobung neuer Verfahren nicht realisiert werden können", befürchtet Briese von Windresearch. "Das kann langfristig die Vorreiterrolle Deutschlands bei den Technologien in der Offshore-Windenergie gefährden." Denn Forschung und Entwicklung, Produktion und Tests müssten räumlich möglichst eng zusammenliegen.

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