Milliardenauftrag
Großbritannien baut neue Atomkraftwerke

Während sich Deutschland auf den Atomausstieg vorbereitet, baut Großbritannien erstmals wieder neue Reaktoren. Der französische Energiekonzern EDF bekommt für das Projekt sogar einen besonderen Bonus.
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ParisWährend Deutschland seine Atommeiler nach und nach abschaltet, gehen die Briten einen anderen Weg. Wie heute offiziell verkündet wurde, baut der französische Energiekonzern EDF gleich zwei Atomkraftreaktoren in Großbritannien. Die Meiler werden die ersten neuen Atomkraftwerke im Vereinigten Königreich seit dem Jahr 1995 sein.

Die Investoren haben dabei eine besondere Planungssicherheit - sie erhalten einen garantierten Abnahmepreis für den Atomstrom von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde. Er liegt weit über dem derzeit gezahlten Preis in Großbritannien. Solch einen Luxus genießen in Deutschland nur die Betreiber von Anlagen Erneuerbarer Energien.

Auch die Zusammensetzung des Konsortiums ist besonders. Der Konzern EDF, in dessen Heimatland Frankreich mehr Atommeiler betrieben als in alle anderen europäischen Ländern, baut zwar hauptsächlich an dem Projekt und hält am Konsortium den Angaben zufolge rund 45 bis 50 Prozent. Doch auch die Chinesen mischen kräftig mit und versuchen so einen Fuß in den europäischen Markt zu setzen. Die chinesischen EDF-Partner CGN und CNNC halten laut Unternehmensangaben zwischen 30 und 40 Prozent an dem Gemeinschaftsprojekt, der französische Industriekonzern Areva zehn Prozent. EDF sei in Verhandlungen mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten, teilte das Unternehmen mit.

Der britische Energieminister Ed Davey betonte die komplett private Finanzierung des Projekts: „Das ist ein hervorragendes Geschäft für die britischen Stromverbraucher. Zum ersten Mal wird ein Atomkraftwerk in Großbritannien nicht mit dem Geld der britischen Steuerzahler gebaut.“ Das Projekt werde in der Bauphase 25.000 Arbeitsplätze und 900 im Betrieb schaffen.

Für EDF bleibt zu hoffen, dass der Konzern bei dem Vorhaben ein besseres Händchen hat als in seinem Heimatland. In Frankreich wird derzeit im nordfranzösischen Flamanville ein europäischer Druckwasserreaktor gebaut. Das Projekt ist unter anderem wegen der explodierenden Kosten umstritten: Waren die Kosten für den Reaktor 2005 noch mit 3,3 Milliarden Euro angegeben worden, musste EDF Ende 2012 einräumen, dass die Kosten vermutlich auf 8,5 Milliarden Euro ansteigen würden. Der Konzern begründete dies unter anderem mit neuen Sicherheitsanforderungen und Lehren aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
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