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Höhenflug für Honda

Honda geht in die Luft: Erstmals ergänzt ein kleiner Jet für Privatleute das Mobilitätsangebot des Autobauers – und er passt besser ins Produktportfolio der Japaner als man zunächst denkt.
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TokioDer Traum des Firmengründers wird wahr: Auf einer Luftfahrtschau in den USA hat der japanische Honda-Konzern erstmals offiziell einen kleinen Jet ausgestellt, der reichen Amerikanern als Lufttaxi dienen soll. Aufwärts geht es auch mit den Gewinnen. Im ersten Quartal des seit April laufenden japanischen Bilanzjahres nahm Honda unter dem Strich mit 146,5 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) 20 Prozent mehr als vor einem Jahr ein. Der Umsatz stieg dabei nur um 5,4 Prozent auf 2 988 Milliarden Yen.

Der Reingewinn ist bei Honda von besonderer Bedeutung, da sich hier der Beitrag seiner chinesischen Operationen ausdrückt. Die Nettoumsatzrendite erhöhte sich dadurch von 4,3 auf 4,9 Prozent. Die operative Umsatzrendite lag mit 6,6 Prozent nun 0,1 Prozentpunkt höher als ein Jahr zuvor. Damit dürfte Honda seine Stellung hinter Toyota und vor Nissan als zweitprofitabelster Hersteller von Japans großen drei Autobauern zementieren. Positiv stach vor allem das Motorradgeschäft heraus. Hier konnte Honda seinen Absatz um zwei Prozent erhöhen - vor allem dank einer Erholung Europas, wo Honda ein Sechstel mehr Zweiräder als ein Jahr zuvor verkaufte.

Der Autoabsatz der Honda-Gruppe stieg global sogar um 6,2 Prozent auf 1,1 Millionen Kraftwagen. In Japan schoss der Absatz sogar um 44 Prozent in die Höhe, da die Neuauflagen des Honda Fit (in Europa „Jazz“ genannt) und des Vans Odyssey sowie die neuen N-WGN und Vezel gut einschlugen. Damit konnte Honda einen dreiprozentigen Einbruch in seinem Hauptmarkt Nordamerika mehr als wettmachen, wo Honda etwa 40 Prozent seines Weltumsatzes erzielt.

Trotz der höheren Gewinne schaut Honda wie Nissan mit Vorsicht in die Zukunft. Schon vor der Quartalsbilanz erwartete der Konzern einen Rekordgewinn, aber de facto nur 4,5 Prozent mehr Reingewinn. Honda beließ es dabei. Nur die Prognose für den Vorsteuergewinn wurde marginal angehoben - wegen leichter Wechselkursgewinne. Damit geschieht in diesem Jahr, was sich voriges Jahr bei der rasanten Jagd der Japaner abgezeichnet hat. Ein Teil ihres Aufstiegs war dem tiefen Fall des Yen geschuldet, der die Gewinne explodieren ließ. Inzwischen hat sich der Yen stabilisiert und damit Wechselkurse als Investitionskriterium vorläufig neutralisiert.

Mehr Enthusiasmus als bloße Zahlen entfacht bei Honda allerdings der Jet. Er passt besser ins Produktportfolio, als es viele zunächst ahnen. Honda betont immer, dass das Unternehmen kein Autobauer, sondern ein Motoren- und Mobilitätskonzern sei. Auch Rasenmäher und Außenborder werden daher entwickelt.

Doch als der Konzern vor etwas mehr als zehn Jahren das Jet-Projekt vorstellte, hatten die Vorstände vor lauter Rührung Tränen in den Augen. Denn sie verwirklichten damit einen Traum des Firmengründers Shoichiro Honda. Selbstbewusst nehmen seine Nachfahren nun in Anspruch, das effizienteste und gemütlichste Model seiner Klasse für den amerikanischen Jetset gebaut zu haben.

Mit bis zu 780 Kilometern pro Stunde soll der Honda-Jet seine fünf bis sechs Fluggäste etwa 2 200 Kilometer weit befördern können. Auch die maximale Flughöhe ist mit 13.000 Metern herausragend. Und dank Verbundwerkstoffen und seinem unkonventionellen Design, bei dem die Turbinen über den Tragflächen befestigt sind, soll der Flieger 35 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als seine Rivalen, sagen die Werber. Das Cockpit ist derweil schon zukunftssicher an die Gewohnheiten der Smartphone-Jugend angepasst. Statt klassischen Rundinstrumenten spielen drei große berührungsempfindliche Bildschirme die notwendigen Daten ein. Kostenpunkt: 4,5 Millionen Dollar.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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