Mobile Heizwärme
Heiße Luft zum Festpreis

Einige Bäder und Schulen lassen sich Heizwärme im Container anliefern. Noch sind mobile Wärmebatterien eine Randerscheinung – doch die Energiewende beflügelt die Nachfrage. Die Abnehmer profitieren ab dem ersten Tag.
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KölnDie wohlige Wärme im Hallenbad Dortmund-Brackel kommt direkt von der Mülldeponie. In der Deponiegasanlage entsteht Abwärme, die früher teils ungenutzt verpuffte. Heute wird sie zu einem Container geleitet, in dem ein Speicher untergebracht ist. Ein Lkw karrt ihn alle ein bis zwei Tage zum fünf Kilometer weit entfernten Schwimmbad. Dort wird das Wasser auf Temperatur gebracht.

Technisch funktioniert der Container ähnlich wie ein Taschenwärmer: Das Speichermaterial Natriumacetat, auch als Pökelsalz bekannt, verflüssigt sich ab einer Temperatur von 58 Grad. Wenn es wieder kristallisiert, setzt sich die zuvor zugeführte Wärme frei. Fachleute sprechen von einem Latentwärmespeicher.

Noch sind die mobilen Wärmebatterien eine Randerscheinung - doch die Energiewende beflügelt die Nachfrage. Denn die ressourcenschonende Wärmegewinnung birgt ein großes Öko-Potenzial: Etwa die Hälfte des Energieverbrauchs ist EU-weit auf die Wärmeerzeugung zurückzuführen – während Abwärme in Industrieanlagen und Kraftwerken oft einfach verpufft.

Betreiberin des Dortmunder Containers ist die Firma Latherm, für die das 2008 gestartete Hallenbadprojekt Pilotcharakter hatte. „Inzwischen beliefern wir mit unseren acht Containern auch andere Schwimmbäder und Schulen hier im Ruhrgebiet“, sagt Vertriebsleiter Michael Schönberg. „Wir nutzten die Abwärme der Deponie und einer Kokerei in Bottrop.“

Für die Abnehmer rechne sich das ab dem ersten Tag: Latherm verlangt den Wärmepreis, der auch bei einer Erdgasheizung entsteht. Über eine Laufzeit von zehn Jahren garantiert die Firma aber, dass der Preis maximal mit der Inflationsrate steigt - während sich die mit fossilen Brennstoffen erzeugte Wärme deutlich stärker verteuern dürfte.

Einen ähnlichen Container hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-,Sicherheits- und Energietechnik vor vier Jahren gebaut. „Mobile Speicher sind gerade als Ergänzung für dezentrale, kommunale Kleinkraftwerke interessant“, sagt Samir Binder, Leiter der Abteilung Energietechnik. „Landwirte mit einer Biogasanlage beispielsweise stehen häufig vor dem Problem, dass sie keinen Zugang zum Fernwärmenetz haben.“ Die Abwärme bleibe oft ungenutzt. Dank verbesserter Technik sei das Fraunhofer-System inzwischen auch rentabel, wenn die Distanz zum Abnehmer 25 Kilometer beträgt - tägliche Ladezyklen vorausgesetzt.

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