Nahe Naturschutzgebiet
Ölalarm im Münsterland

Auf einer Weide im Münsterland findet ein Bauer Öl - seither herrscht Alarm. An einem unterirdischen Speicher muss ein Leck sein. Vor wenigen Monaten gab es in Ostfriesland einen ähnlichen Vorfall. Umweltschützer sind besorgt.
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GronauWo sonst Kühe grasen und Vögel einen geschützten Lebensraum finden, tritt seit Tagen Öl aus dem Boden, vermutlich aus einem unterirdischen Erdölspeicher in einem Salzstock. 32.000 Liter der schwarzen Flüssigkeit sind in der ländlichen Ortschaft Gronau-Epe nahe der niederländischen Grenze schon abgepumpt worden. Zehn Kühe wurden geschlachtet, weil sie vermutlich von dem Öl getrunken hatten. Das Gebiet ist abgesperrt. Es herrscht Ölalarm im Münsterland - direkt neben einem Naturschutzgebiet.

Umweltschützer sind wütend. Wie sich nun zeige, seien die unterirdischen Lagerstätten nie hundertprozentig sicher. „Kommt es zu einer Betriebsstörung oder zu einem Leck, ist damit unweigerlich großer Umweltschaden verbunden“, sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW. Er fordert, bundesweit alle Kavernenspeicher zu überprüfen, um Vorfälle wie diese zu verhindern.

Gronau-Epe ist kein Einzelfall: Erst Ende November waren an einer ähnlichen Kavernenanlage im ostfriesischen Etzel rund 40.000 Liter Rohöl aus einem Absperrventil ausgelaufen. Die Betreiber gehen von Sabotage aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Im Münsterland hingegen ist das Leck auch nach tagelanger Suche nicht gefunden. Wo das Öl ausgetreten ist und wie viel - das weiß die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Aufsichtsbehörde immer noch nicht. Inzwischen können die Experten allenfalls eingrenzen, wo sie suchen sollen: An einer der drei Ölkavernen der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW). In den Hohlräumen, die nach dem Abbau von Salz entstehen, werden seit den 1980er Jahren große Ölreserven gelagert.

Rückblick: Am 12. April entdeckt ein Landwirt auf einer Weide eine schwarze Lache. Es ist ein zähflüssiges Gemisch aus Öl und Wasser. Auch in einem Vogelschutzgebiet und auf einem Bauernhof tritt die schwarze Flüssigkeit an die Oberfläche. „Wir haben sofort Ölalarm ausgelöst und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet“, berichtet Werner Isermann von der Bergbauabteilung der Bezirksregierung Arnsberg. Sie ist zuständig für die Überwachung der Ölspeicher im Salzstock von Gronau-Epe.

Weil von der Kaverne inzwischen der Druck genommen worden sei, könne kein weiteres Öl auslaufen, erklärt Isermann. Doch der Schaden ist da: Unter der Erdoberfläche verteilt sich das ausgetretene Öl, 30 bis 50 Liter sickern stündlich an den Fundstellen nach. Die SGW geht schon jetzt von einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Lokal sei auch das Grundwasser verunreinigt, berichtet Isermann. Damit die Flüssigkeit aus der Tiefe nicht noch mehr Schaden anrichtet, wurden Ölsperren eingerichtet.

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„Es stinkt, es reizt die Augen, wenn man näher rangeht“, klagte eine Anwohnerin im Gespräch mit dem Westdeutschen Rundfunk. Ihr sei das alles unbegreiflich, schließlich grenze der Fundort an ein Naturschutzgebiet. „Hier meint man doch, würde besonders gut aufgepasst.“

Der Grund für die Verunreinigungen in Epe scheint weit in der Tiefe zu liegen. Am oberflächennahen Rohrsystem, das die Kaverne mit Tanks und Pipelines verbindet, wurde kein Loch gefunden. „Das hätte man leicht flicken können“, sagt Isermann. Zu klären ist nun: Tritt das Öl aus dem ummantelten Bohrloch aus, das die Kaverne in mehr als tausend Metern Tiefe mit der Oberfläche verbindet? Oder ist der Speicher selbst undicht? Und wie kommt das Öl vom Leck an die von der Kaverne 200 bis 400 Meter entfernten Fundorte? Isermann: „Wir stehen vor einem großen Rätsel.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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