Netzausbau
Schluss mit dem Wildwuchs bei Erneuerbaren

Der Netzausbau für die Energiewende muss besser geplant werden. Dafür muss sich die Neuinstallation von Solar- und Windkraftwerken dringend stärker am Netz orientieren.
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Die Bürger zeigen dem Netzbetreiber Tennet die Rote Karte. Der muss die Zeichnungsfrist für seine sogenannte Bürgeranleihe um einen Monat verlängern. Mit dem Geld von Privatleuten will Tennet eine neue Stromleitung in Schleswig-Holstein finanzieren. Doch die Bürger sind skeptisch. Und das ist mehr als verständlich.

Denn niemand kann heute im Ernst sagen, welches Netz wir in den nächsten Jahren wirklich brauchen. Es gibt zu viele Unsicherheiten. Da sind einmal die Windparks im Meer. Die Netzbetreiber können zwar mit den bereits gebauten Offshore-Kraftwerken planen. Ob aber viele der erst geplanten Parks jemals Realität werden, ist wegen der immensen Schwierigkeiten und der hohen Kosten mehr als zweifelhaft.

Das größte Problem aber ist der Wildwuchs der Solar- und Windanlagen von Flensburg bis München. Denn jeder, der eine solche Anlage betreibt, hat das Recht, seinen Strom ins Netz einzuspeisen. So ist zum Beispiel schwer vorherzusagen, in welcher Region wie viele Photovoltaikanlagen installiert werden. Entsprechend schwer ist es, den Netzausbau so zu steuern, dass er die neuen Anlagen verkraften kann.

Aber das ist notwendig. Denn wenn Netzausbau und Installation von Solar- und Windkraftwerken nicht besser synchronisiert werden, kommt es immer häufiger zu radikalen Eingriffen: Die Netzbetreiber müssen Solaranlagen in sonnenreichen Mittagsstunden abschalten, weil sie den vielen Strom nicht mehr aufnehmen können.

Das ist eine Verschwendung von Energie, die wir uns in Deutschland nicht leisten können. Sie ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern bremst auch das Tempo der Energiewende.

Es ist deshalb dringend notwendig, dass sich der Bau neuer Ökokraftwerke stärker am Netzausbau orientiert. Darüber hinaus sollten Wind- und Solaranlagen vor allem in solchen Regionen montiert werden, wo sie sich besonders lohnen.

Es geht nicht darum, einer Planwirtschaft in der Ökostrombranche das Wort zu reden. Der wirtschaftlich sinnvolle Ausbau lässt sich auch anders regeln: über eine stärkere regionale Förderung zum Beispiel. Wer in sonnen- und windschwachen Gegenden baut, erhält dann künftig weniger Förderung - oder gar keine.

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