Netzbetreiber gegen den Blackout
Ohne Leitungen kein Strom

Bislang ist es zu den befürchteten flächendeckenden Blackouts nicht gekommen. Doch damit das so bleibt, müssen die Netzbetreiber immer mehr Aufwand betreiben. Die Probleme begegnen ihnen dabei gleich im Doppelpack.
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Es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren. 17 Kernkraftwerke sind vom beschleunigten Atomausstieg nach Fukushima betroffen. Acht davon mussten unmittelbar vom Netz, die anderen neun werden bis 2022 schrittweise folgen. Besonders eine dieser Anlagen bereitet der Bundesnetzagentur Kopfzerbrechen: Grafenrheinfeld in Franken, südlich von Schweinfurt. "Was passiert im Winter 2015/16, wenn das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz geht und die Strombrücke durch Thüringen bis dahin nicht fertig wird?", fragt der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann.

Noch liefert Grafenrheinfeld Strom für bayerische Unternehmen. Wenn der Reaktor abgeschaltet wird, müssen sie auf anderem Wege versorgt werden. Gewährleisten soll das die neue Trasse durch Thüringen, die Windstrom aus dem Norden in die süddeutschen Industriezentren liefert.

Zweifel daran, dass die Stromtrasse noch rechtzeitig in Betrieb geht, sind berechtigt. Schon vor zehn Jahren begann die Planung. Die Umsetzung aber hat sich immer wieder verzögert - auch weil es in Thüringen Widerstand auf lokaler Ebene gab. Allein drei Jahre stand das Projekt still, weil das Raumordnungsverfahren dort nicht abgeschlossen war. Die Bayern dagegen waren längst so weit.

Das Beispiel Grafenrheinfeld verdeutlicht gleich drei Probleme der Energiewende. Erstens: Um das Netz zu stabilisieren, sind neue Leitungen nötig. Zweitens: Die Atomkraftwerke müssen nicht nur ersetzt werden, der Strom muss auch besser verteilt werden. Und drittens: Bei aller Begeisterung für die Energiewende - wenn es darum geht, neue Leitungen zu bauen, stellen sich Bürgerinitiativen allzu häufig quer.

Zwar ist es zu den befürchteten flächendeckenden Blackouts bislang nicht gekommen. Die Netzbetreiber müssen aber immer mehr Aufwand betreiben, damit das auch künftig so bleibt. Das Unternehmen Tennet etwa, das eines der vier Übertragungsnetze betreibt, musste 2012 knapp 1000-mal eingreifen, um kritische Situationen abzufangen. Das heißt: Kraftwerksbetreiber anweisen, ihre Anlagen zu drosseln. Oder Pumpspeicheranlagen anwerfen. 2010 - also vor der Energiewende - waren es gerade einmal 290 Eingriffe. Netzagentur-Präsident Homann drängt deshalb zu einem beschleunigten Ausbau der Stromtrassen. "Dem Netzausbau gehört mehr Aufmerksamkeit", sagte er jüngst.

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Aufwand bei der Stromverteilung steigt

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