Neue Rotoren
Windstrom auch bei Flaute

Windkraft-Anlagen werden immer höher und effizienter. Die Hersteller wollen damit neue Standorte erobern. Vor allem in windschwachen Regionen sollen höhere Luftschichten erreicht werden.
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Das kühn geschwungene Teil ist ein echter Hingucker. Fast 65 Meter lang ist das Rotorblatt. Es liegt auf einem Transporter vor dem Haupteingang des Hamburger Messegeländes. Es ist eines der derzeit größten Rotorblätter für Windkraftanlagen an Land und kommt von Nordex. Das Hamburger Unternehmen hat es für seinen neuesten Rotor mit einem Gesamtdurchmesser von 130 Metern entwickelt.

„Sie sind besonders geeignet für Schwachwindstandorte“, erläutert Jürgen Zeschky, Vorstandschef des Hamburger Unternehmens. „Deshalb ist es in entwickelten Märkten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien gefragt.“

Denn in Ländern wie Deutschland werden die Flächen für neue Windräder knapp. Nahezu alle guten Standorte, vor allem in Norddeutschland, sind längst vergeben. Deshalb bleiben oft nur Regionen übrig, an denen der Wind nicht so kräftig weht wie in Küstennähe.

Für diese Schwachwindgegenden, die noch vor Jahren für Windräder ungeeignet waren, haben Firmen wie Nordex, die dänische Vestas sowie der US-Konzern General Electric neue Anlagen entwickelt.

Dem Himmel ganz nah

Dieser Markt wächst kräftig. Es gibt zwar keine spezielle Statistik des Bundesverbands Windenergie. „Aber der Zuwachs im ersten Halbjahr dieses Jahres in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz ist vor allem auf die Schwachwindanlagen zurückzuführen“, sagte der Sprecher des Verbands. In diesen Ländern wurden in den ersten sechs Monaten neue Anlagen mit einer Leistung von rund 390 Megawatt installiert. Das war fast ein Viertel aller neuen Windräder.

Bei Nordex machen die Anlagen mit großen Rotoren schon etwa die Hälfte des Geschäfts aus. „Ihr Anteil wird in den nächsten Jahren noch wachsen“, ist Vorstandschef Zeschky überzeugt.

Das Hamburger Unternehmen hat deshalb die Produktion in seinem Werk in Rostock ganz auf die langen Blätter konzentriert. „Dort haben wir inzwischen die richtige Größe erreicht, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, sagt Zeschky. Die kleineren Blätter lässt er mittlerweile von Lieferanten fertigen.

Die neuen Anlagen für laue Lüfte haben größere Türme, damit die Rotoren in höhere Windregionen reichen. Und sie haben längere Rotorblätter aus leichterem Material. So können sie eine größere Fläche überstreichen und deshalb mehr Strom produzieren.

Enercon gehörte zu den Ersten, die Anlagen bauten, die auch für Standorte mit schwächerem Wind geeignet sind. Auf der Hannover Messe im April 2013 stellte der Windpionier aus dem norddeutschen Städtchen Aurich das riesige Maschinenhaus für den neuen Windradtyp vor, das wie ein Zeppelin aus Aluminium in der Halle schwebte.

„Das wird unsere Brot-und-Butter-Maschine der nächsten Jahre“, sagte Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig damals. Mitte dieses Jahres hat Enercon nun die Serienfertigung der E115 gestartet.

Kettwig ist mit dem Marktstart zufrieden. „Die neue Maschine wird gut von unseren Kunden angenommen“, sagte er dem Handelsblatt. Er bereitet gerade den Export in Länder außerhalb Europas vor.

Die neuen Windmaschinen müssen vor allem dafür sorgen, dass die Kosten für die Stromerzeugung sinken. „Unser Ziel ist es, in spätestens fünf Jahren Windstrom genauso kostengünstig wie Strom aus Kohle zu produzieren“, sagt Zeschky.

Höhe der Türme bleibt gleich

Alle Hersteller arbeiten daran, die Effizienz der Windmaschinen zu steigern sowie ihre Produktionskosten zu senken. So hat Enercon die Formgebung ebenso wie die Konstruktion verbessert. Das Rotorblatt ist neuerdings in zwei Teile geteilt. So lässt es sich besser transportieren. Und bei der Produktion der Rotoren setzt das norddeutsche Unternehmen inzwischen auch Industrieroboter ein.

Das Hamburger Unternehmen Senvion will in dem stark wachsenden Markt für Anlagen an windschwächeren Standorten nicht nur mit noch längeren Rotorblättern und höheren Türmen punkten. Vorstandschef Andreas Nauen stellte in Hamburg eine neue Anlage vor, die ihre Leistung allein schon durch einen stärkeren Generator steigert. „So erreichen wir eine höhere Leistung bei gleicher Turmhöhe am selben Standort.“

Nauen sieht den Vorteil darin, dass die Kunden, die einmal eine Genehmigung für einen Standort durchgesetzt haben, nicht mit den Behörden um eine neue Genehmigung ringen müssen. Denn die Höhe des Turms – häufig ein Kritikpunkt bei Bürgerprotesten – bleibt bei der neuen Anlage gleich.

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