Ökostrom
Der Traum vom „Hartz-IV“ für Kraftwerke

Während der Ökostrom den Gaskraftwerken Betriebsstunden klaut, sind die klimaschädlicheren Kohlemeiler noch gut ausgelastet. Eine Reform soll das ändern, doch das könnte den Strompreis weiter in die Höhe treiben.
  • 7

BerlinEs ist schon überraschend, dass Sigmar Gabriel der Satz nicht um die Ohren geflogen ist. „Was der Kapazitätsmarkt nicht werden kann, ist so was wie Hartz-IV für Kraftwerke: Nicht arbeiten, aber Geld verdienen“, impfte der Vizekanzler der Energiebranche jüngst bei einem Kongress ein. Hartz-IV-Empfänger könnten sich beleidigt fühlen, aber der Proteststurm blieb aus.

Zumindest hat der Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef damit sehr deutlich die Richtung vorgegeben, für eine neue Agenda, eine Agenda 2022 für fossile Kraftwerke. Sie soll bis zum endgültigen Atomausstieg im Jahr 2022 und darüber hinaus die Versorgung in Deutschland sichern. Egal wie der Wind weht.

Es ist nach der Kappung der Ökostrom-Förderung das nächste Großprojekt. Fast ein Drittel (31 Prozent) des in Deutschland produzierten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen, hat das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme für das erste Halbjahr 2014 ermittelt. Das bedeutet: Konventionelle Kraftwerke laufen und verdienen weniger. Und es gibt große Überkapazitäten. Gehen viele Kraftwerke mangels Einnahmen vom Netz, droht im Winter ein Energie-Engpass. Und die Atomkraftwerke sind Auslaufmodelle. Vor allem im Süden werden Reservekapazitäten gebraucht. Gabriel betont im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur: „Es wird keine Überlebensgarantie für Kraftwerke geben.“ Aber: „Meine Vorstellung ist, dass wir das technologieneutral machen.“

Will heißen: Es soll kein Hilfsprogramm nur für umweltfreundlichere Gaskraftwerke geben, die am besten die je nach Wetterlaune schwankende Wind- und Solarstromproduktion ergänzen können. Auch Kohlekraftwerke können einbezogen werden. Und wenn man ein Kraftwerk nur an einem von 365 Tagen braucht, kann das auch im Ausland liegen - daher wird bereits auch mit den Nachbarstaaten über die Reform verhandelt. Laut Gabriels Ministerium wurden zuletzt 49 Kraftwerke zur Stilllegung angemeldet - die Übertragungsnetzbetreiber halten davon aber 11 Kraftwerksblöcke mit einer Netto-Nennleistung von 2697 Megawatt für systemrelevant. Gemäß des sogenannten Wintergesetzes bleiben sie gegen Entschädigungen am Netz, um die Versorgung an kälteren Tagen zu sichern.

Seite 1:

Der Traum vom „Hartz-IV“ für Kraftwerke

Seite 2:

Schnellschüsse werden teuer

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%