Ölmarkt
Das Ende des Preisdiktats

Hochs und Tiefs prägen die Preise auf den Ölmärkten. Doch die Schwankungen sind längst nicht mehr so groß wie früher. Politische Unruheregionen und Spekulationen sorgen heutzutage für satte Preisaufschläge.
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DüsseldorfVor fast genau vierzig Jahren, am 25. November 1973, demonstrierte das Ölkartell Opec der westlichen Welt seine ganze Macht: Die Organisation Erdöl exportierender Länder drehte den Ölhahn zu, um einige westliche Länder für ihre israelfreundliche Politik zu bestrafen. Von 1973 bis 1974 stieg der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) um 172 Prozent. Der „Ölpreis-Schock“ trug entscheidend zur Wachstumsschwäche und steigenden Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern bei. In Deutschland hatte der damalige Wirtschaftsminister Hans Friderichs (FDP) am 19. November 1973 ein Verbot für private Autofahrten an vier Sonntagen verkündet. An den übrigen Tagen herrschte auf Landstraßen Tempo 80, auf Autobahnen betrug die Höchstgeschwindigkeit 100 Stundenkilometer. Es war verboten, Benzin in Kanistern zu tanken.

Von einer solchen Machtentfaltung, die nicht nur das Wirtschaftsleben, sondern auch den Alltag der Menschen prägte, ist die Opec heute weit entfernt. In Maßen beeinflussen konnte das Kartell die Ölpreise seit den 1980er-Jahren vor allem dann, wenn steigende Nachfrage nur noch durch die Mobilisierung zusätzlicher Förderkapazitäten befriedigt werden konnte. Das war beispielsweise Mitte 2008 der Fall — damals stieg der Rohölpreis auf das Rekordhoch von gut 147 Dollar.

Von diesem Rekordstand haben sich die Preise aber längst wieder entfernt. In diesem Jahr enden die Notierungen an den Weltölmärkten praktisch auf dem Niveau, von dem sie Anfang 2013 auch gestartet waren. Zwischenzeitlich gab es zwar kräftige Schwankungen in die eine oder andere Richtung. An diesem zum Teil spekulationsgetriebenen Auf und Ab wird sich aber in absehbarer Zeit ohnehin nichts ändern.

Aktuell notiert Brentöl bei 110 Dollar je Barrel. Damit liegt der Preis tendenziell am oberen Ende der diesjährigen Handelsspanne. So viel kostet – von einigen Ausreißern abgesehen – Brentöl nun schon seit Anfang 2011. Anders als vor vierzig Jahren treiben die Opec-Mitglieder die Preise schon seit geraumer Zeit nicht mehr zielgerichtet nach oben.

Neben Spekulationsgeschäften sind es vielmehr politische Krisenherde, die die Ölpreise beeinflussen. „Ägypten, Syrien, Iran und Libyen“, zählt Frank Schallenberger, Chef des Rohstoffresearchs der Landesbank Baden-Württemberg, die Unruheregionen auf, die immer noch beziehungsweise immer wieder für Ausschläge an den internationalen Ölmärkten sorgen. „Die Ölpreise bewegen sich in einem Spannungsfeld aus schwächerer Nachfrage, die zu fallenden Preisen führt, und geopolitischen Themen“, sagt Schallenberger. Dazu zählen die Unruhen in Ägypten ebenso wie die Atomgespräche mit Iran.

Hinter den dadurch ausgelösten Preisausschlägen steckt vor allem die Furcht vor möglichen Störungen des Angebots, wie etwa die derzeitigen Lieferausfälle aus Libyen in Höhe von rund einer Million Barrel am Tag. Spekulationen verstärken die Preisreaktionen oft zusätzlich.

Doch die Signale sind „auf Entspannung gerichtet“, sagt Schallenberger. So könne sich etwa die Situation in Libyen eigentlich nur noch verbessern. „Wenn sich die Lage in den politischen Problemländern beruhigt, wird der Brentölpreis bis Ende kommenden Jahres unter 100 Dollar fallen“, prognostiziert der LBBW-Experte. Nicht ganz so optimistisch sind die Commerzbank- und die DZ-Bank-Analysten, die Brentöl in zwölf Monaten bei 107 und 114 Dollar sehen.

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