Offizielle Erlaubnis
Umstrittene Erdölsuche bei Kanaren darf losgehen

Nun ist es offiziell: Vor den Kanarischen Inseln darf nach Erdöl gesucht werden. Spaniens Regierung erteilt dem Konzern Repsol die Genehmigung. Umweltschützer und die Verantwortlichen auf der Inselgruppe wollen dagegen vor Gericht ziehen.
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Madrid/Las PalmasDie umstrittene Erdölsuche vor den Kanarischen Inseln darf beginnen. Die spanische Regierung erteilte dem Mineralölkonzern Repsol offiziell die Erlaubnis, ab sofort im Seegebiet des Atlantiks zwischen den Kanaren und der marokkanischen Küste Probebohrungen vorzunehmen. Zuvor hatte bereits das Umweltministerium grünes Licht gegeben. Die definitive Entscheidung lag beim Industrieministerium, dessen Beschluss am Mittwoch im Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Die Regionalregierung der Inselgruppe und Umweltschützer wollen die Genehmigung juristisch anfechten. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, SEO/BirdLife oder WWF bezeichneten das bisherige Verfahren als „irregulär“. In einer gemeinsamen Erklärung kündigten sie an, die Entscheidung vor spanischen und europäischen Gerichten überprüfen zu lassen. Die Regierung der Kanaren will eine einstweilige Verfügung beantragen, um die Probebohrungen zu stoppen.

Demgegenüber betonte der Madrider Industrieminister José Manuel Soria, die Regierung habe alle Einwände geprüft. Nach der Genehmigung dürfen gut 50 Kilometer vor Lanzarote und Fuerteventura drei Probebohrungen bis zu Tiefen von 3000 bis 6900 Metern vorgenommen werden. An dem Projekt sind auch die australische Woodside Energy und der deutsche Konzern RWE beteiligt.

Madrid stellte für die Genehmigung eine Reihe von Bedingungen. Wenn sich im Umkreis von 75 Kilometern ein Erdbeben von einer Stärke über 4,5 ereignet oder Gefahren für die Umwelt auftreten, müssen die Bohrungen gestoppt werden. Zudem muss Repsol zur Behebung eventueller Schäden Sicherheiten in Höhe von 60 Millionen Euro aufbringen.

Falls bei den - von Schiffen aus ausgeführten - Probebohrungen Erdöl oder Erdgas gefunden wird, müssen zur Förderung neue Genehmigungen beantragt werden. Repsol-Chef Antonio Brufau hatte angekündigt, dass die Probebohrungen noch in diesem Jahr beginnen sollen.



Der selbst von den Kanaren stammende Minister Soria hatte erklärt, Spanien könne sich nicht den Luxus leisten, auf eine Erdölsuche zu verzichten. Das Land hänge beim Mineralöl derzeit zu 99 Prozent von Importen ab. Demgegenüber betonten die Umweltschützer, die Erdölsuche sei nicht der geeignete Weg, den Energieverbrauch zu drosseln.

Aus Protest gegen die geplante Erdölsuche hat indes die Regionalregierung der spanischen Inselgruppe Madrid mit einem Abbruch der offiziellen Beziehungen gedroht. Die Genehmigung von Probebohrungen vor den Inseln durch das spanische Industrieministerium sei eine Respektlosigkeit gegenüber den Bewohnern des Archipels, sagte der kanarische Regierungschef Paulino Rivero am Donnerstag in Las Palmas de Gran Canaria. Seine Regierung werde mit allen Mitteln darum kämpfen, die Bohrungen zu verhindern.

Rivero hielt dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy vor, die Inselgruppen der Kanaren und der Balearen ungleich zu behandeln. Rajoy hatte kürzlich auf Mallorca gesagt, dass es vor den Küsten der Mittelmeerinseln keine Probebohrungen geben werde, wenn davon eine - auch noch so geringe - Gefahr für die Umwelt rund um die Balearen ausgehe. Bei den Kanaren dagegen ignoriere Madrid das Risiko, das die Bohrungen für die Umwelt und den Tourismus bedeuteten, sagte Rivero.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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