„Open Educational Resources“ Bildung kostenlos und für alle

„Open Educational Resources“ sollen Bildung in Deutschland demokratisieren. Während die Regierung mit den online frei verfügbaren Unterrichtsmaterialien Geld sparen will, bangen Schulbuchverlage um ihr Geschäftsmodell.
1 Kommentar
Hörsaal war gestern: Viele Unterrichtsmaterialien sollen zukünftig online frei verfügbar sein. Quelle: dpa

Hörsaal war gestern: Viele Unterrichtsmaterialien sollen zukünftig online frei verfügbar sein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Projekt war nicht weniger als ein Angriff auf das Geschäftsmodell der deutschen Schulbuchverlage, die jährlich rund 350 Millionen Euro Umsatz mit Schulbüchern und Materialien machen: Ein Biologiebuch für die siebte und achte Klasse an Berliner Schulen, von Lehrern für Lehrer gemacht und kostenlos zum Download im Internet. Jeder darf das nicht nur verwenden, sondern beliebig verändern und weitergeben. Schnell zählten die Initiatoren, der Lehrer Heiko Przyhodnik und der Medienberater Hans Hellfried Wedenig, 30.000 Downloads.

Die beiden haben mit ihrem Projekt eine Diskussion befeuert, die seit Jahren weltweit geführt und in Deutschland lange ignoriert wurde. Es geht um nicht weniger als die Frage, wer künftig Schulbücher und Unterrichtsmaterialien erstellt – und vor allem: was sie kosten. Offene Bildungsmedien - sogenannte „Open Educational Resources“ (OER) - versprechen die Demokratisierung der Bildung. Die Idee: Alles, womit Schüler und Studenten lernen, soll frei zugänglich und damit kostenlos sein, jeder darf es allzeit verändern und weitergeben.

Heutige Schulbücher, auch die digitale Version der Verlage, dürfen Lehrer zwar im Unterricht verwenden, wenn sie aber Teile kopieren oder ihren Schülern senden wollen, müssen sie komplizierte Regeln beachten. Bei OER-Materialien soll das der Vergangenheit angehören. Die Frage ist nur: Wer erstellt die Bücher und Materialien, und zu welchem Preis?

Dass es nicht umsonst geht, haben auch Przyhodnik und Wedenig erfahren. Viele Lehrer hätten Interesse gezeigt, in ihrer Freizeit am Biologiebuch mitzuarbeiten, sagt Wedenig. „Aber nur wenige blieben übrig.“ Daher bedienten sich die Initiatoren auch bei einer US-Bildungsstiftung, die wie viele andere Stiftungen in den USA freie Unterrichtsmaterialien erstellt. Die Übersetzung der Inhalte verschlang einen großen Teil der 10 000 Euro, die sie auf einer Crowdfunding-Plattform eingesammelt hatten..

Schöne vernetzte Arbeitswelt
Neues Buchungszentrum von TopTicketLine
1 von 8

Großraumbüros, in denen die Angestellten ihrer Arbeit in kleinen Stellwandabteilen nachgehen, sollten die Zukunft sein. Das dachte zumindest der Erfinder des Cubicle-Office, Robert Probst. Doch statt Produktivität förderte sein Konzept Eintönigkeit und Isolation. Dabei ist besonders die Möglichkeit zum gemeinsamen Arbeiten aktuellen Studien zufolge der Schlüssel zu Erfolg und Kreativität. Neue Technologien machen darüber hinaus auch vernetztes Arbeiten möglich, womit die Effizienz in Unternehmen deutlich gesteigert werden kann.

Gemeinschaftsbüros "Coworking Spaces"
2 von 8

Gemeinschaftsbüro in Nürnberg: Lässt man Arbeitnehmern die Wahl, von wo aus sie arbeiten wollen, so entscheiden sich zunehmend mehr für die eigenen vier Wände, Büros außerhalb des Unternehmens oder gleich für das Café um die Ecke. Technologien wie Wireless LAN und Mobile Computing schaffen die Basis, sich auch von unterwegs in das Firmennetzwerk einzuwählen. Einige Konzerne ermitteln über Sensoren in Echtzeit, wo ihre Angestellten am produktivsten innerhalb eines Bürokomplexes arbeiten und können so gezielt Umbaumaßnahmen vornehmen.

One year after Hurricane Sandy
3 von 8

Rund 40 Prozent aller amerikanischen Arbeitnehmer werden der Schätzung einer Softwarefirma zufolge bis 2020 als Leiharbeiter, in befristeten Arbeitsverhältnissen oder als Selbstständiger tätig sein. Zum Vergleich: In Deutschland lag der Anteil von Selbstständigen und Zeitarbeitern an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen im Jahr 2012 bei rund 13 Prozent. Der Trend weg von geregelten Arbeitszeiten und Löhnen hin zur größeren Flexibilität bringt jedoch für beide Seiten einige Vorteile mit sich.

Kita in Leipzig
4 von 8

Arbeitgebern ermöglicht diese Entwicklung am Arbeitsmarkt, schnell auf wechselnde unternehmerische Anforderungen zu reagieren. Selbstständige profitieren davon, dass sie sich ihr Arbeitspensum so einteilen können, wie es ihnen ihr Leben erlaubt. So bleibt etwa mehr Zeit für die Kinderbetreuung oder andere Aufgaben übrig.

huGO-BildID: 19223708 Hochschule Offenburg, Studenten, Fachkräfte, Ausbildung
5 von 8

Aufgaben wie etwa die eigene Weiterbildung. Bis zum Jahr 2020 werden Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey zufolge rund 40 Millionen hochqualifizierte Arbeiter in Unternehmen überall auf der Welt fehlen. Besonders groß wird der Mangel in Entwicklungsländern sein. Unternehmen und Arbeitnehmer haben jedoch einen innovativen Weg gefunden, dieser Herausforderung zu begegnen.

Employee works on his computer at the office of CloudFactory, a Canadian startup that based itself in Kathmandu
6 von 8

Crowdsourcing-Plattformen ermöglichen es Designern, Programmierern und anderen Fachkräften, sich miteinander zu vernetzen. Gemeinsam können sie so projektspezifische Arbeitsanforderungen leicht erfüllen. Das Unternehmen Cloudfactory wurde in Nepals Hauptstadt Kathmandu von einem Kanadier gegründet und betreibt inzwischen von Büros in Nepal, Hong Kong und den USA aus ein Online-Portal, auf dem sich Selbstständige aus allen Teilen der Welt finden können, um zusammen zu arbeiten. Eigenen Angaben zufolge sollen auf diese Weise bis zu einer Million neue Arbeitsplätze in Entwicklungsländern geschaffen werden.

Surgery_Raven_4_Overview
7 von 8

In Entwicklungsländern soll auch eine Technik, die Videokonferenzen samt der Steuerung eines Roboters ermöglicht, große Fortschritte bringen. Selbst im Bereich der medizinischen Weiterbildung sind dann Lehrgänge ohne physische Präsenz der Teilnehmer möglich. So kann beispielsweise der Roboter Raven IV chirurgische Eingriffe an einem Modell durchführen, das Tausende Kilometer entfernt steht.

„Das Basismaterial sollte frei und offen sein“, sagt Wedenig. Wer diese Inhalte kreiere, sei eine Marktfrage. In Deutschland wird noch diskutiert, ob und wie OER eingesetzt werden sollten. Bis Ende 2014 soll eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bund und Ländern eine Stellungnahme zum Thema erarbeiten. „Es geht auch darum, Verständnis für das Thema zu schaffen“, erklärt Michael Kaden vom brandenburgischen Bildungsministerium.

Polen ist schon weiter als Deutschland
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%