Paris
Radikaler Plan gegen Luftverschmutzung

Die Bürgermeisterin von Paris will im Schnellgang raus aus der "verpesteten Schlucht", wie die mehrspurigen Durchfahrtsstraßen in der französischen Hauptstadt genannt werden. Ein System von Elektro-Leihautos soll helfen.
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Für die Rue de Rivoli direkt am weltberühmten Louvre-Museum in Paris sind die Tage als "verpestete Schlucht" gezählt: So nennt Bürgermeisterin Anne Hidalgo jene mehrspurigen Durchfahrtstraßen in der französischen Hauptstadt, durch die sich tagtäglich stinkende Blechlawinen wälzen. Jetzt hat Hidalgo einen radikalen Umweltplan präsentiert, der vor allem die gesundheitsschädlichen Diesel-Autos binnen fünf Jahren aus der Stadt verbannen soll. Vier Innenstadtbezirke sollen zudem teilweise zur Fußgängerzone werden. Touristen könnten dann viel entspannter durch Paris flanieren, doch viele Einheimische sind skeptisch.

Seit Jahrzehnten wird in Paris über starke Luftverschmutzung geklagt, die zu großen Teilen auf die Diesel-Fahrzeuge zurückgeführt wird, die rund 60 Prozent des Fuhrparks ausmachen. Nach ersten Weichenstellungen ihres Vorgängers Bertrand Delanoë, der unter anderem ein System von Elektro-Leihautos einführte, will die Sozialistin Hidalgo jetzt ernst machen: "Ich will effizient, schnell und hart vorgehen", sagte sie dem "Journal du Dimanche". Das Ziel sei klar: "Ich will das Ende für den Diesel in Paris im Jahr 2020" und möglichst auch im gesamten Umkreis.

Die Pariser sind skeptisch

Dass auf dem acht- bis zehnspurigen Prachtboulevard Champs-Elysées demnächst nur noch Elektro- oder Hybridautos fahren dürfen sollen, kann sich in Paris kaum jemand vorstellen. Für noch weniger umsetzbar halten viele den Plan, die vier ersten Arrondissements vom Place de la Concorde über den Louvre vorbei an Notre-Dame und dem Rathaus bis hin zur Bastille und dem Place de la République weitgehend zur Fußgängerzone zu machen.

"Wie komme ich denn dann zur Arbeit?", fragt sich der 29-jährige Nathan Encaona, der oft mit seinem Auto zum Dienst ins Zentrum fährt. "Soll ich mein Auto dann außerhalb der Fußgängerzone lassen und in einen Bus umsteigen?" Der junge Mann, der in der Immobilienbranche arbeitet, hält die Umsetzung des Hidalgo-Plans für "sehr, sehr kompliziert".

Die Sozialistin und ihre grünen Partner im Rathaus wollen schon nächstes Jahr durchstarten. Anfang Februar soll der Plan im Stadtrat diskutiert werden, erste Verkehrseinschränkungen für besonders umweltschädliche Fahrzeuge solle es schon Mitte nächsten Jahres geben, hatte Hidalgos grüner Stellvertreter Christophe Najdovski kürzlich angekündigt. Die Bürgermeisterin nahm etwa die Touristenbusse ins Visier, die das Zentrum "verstopften".

"Das ist eine Situation wie beim Passiv-Rauchen"

Die Luftverschmutzung in Paris ist tatsächlich ein riesiges Problem. Häufig werden die EU-Grenzwerte für Feinstaub überschritten, vor genau einem Jahr erlebte die Metropole eine Woche lang eine der schlimmsten Smog-Phasen. Bis zu sechs Millionen krebserregende Feinststaub-Partikel hätten die Einwohner von Paris am schlimmsten Smog-Tag abends pro Liter Luft eingeatmet, ergab eine Studie. "Das ist eine Situation wie beim Passiv-Rauchen", hieß es in dem Bericht.

Die Bevölkerung unterstützt den Kampf gegen die Luftverschmutzung: 84 Prozent halten Maßnahmen dazu für vordringlich oder eher vordringlich, wie eine Umfrage ergab. Geht es aber an die konkrete Umsetzung, dann ist den Franzosen das eigene Diesel-Auto näher als die Luftqualität. Hidalgos Plan von Hidalgo sei nicht schlecht, "aber das geht zu schnell", meinen Daniel und Liliane Zahut. Ihr Diesel-Fahrzeug ist erst fünf Jahre alt und die Vorstellung, wichtige Durchfahrtsstraßen wie die Rue de Rivoli zu sperren, hält der 71-Jährige für "absurd".

Die Bürgermeisterin will vor allem sozial Schwachen auch finanziell Hilfestellung leisten, um vom Diesel loszukommen. Auf Leihfahrräder, Elektro-Mietautos oder die öffentlichen Verkehrsmittel sollen die Menschen umsteigen. Die britischen Touristen Ali Rhind und Paul Johnson finden das "eine gute Idee". Die beiden Besucher aus Newcastle sind sich einig: "Das macht Paris lebenswerter."

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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