Planer von Solar- und Windparks
Keine Chance für ein Solo

Die Ökostrom-Projektierer können nur mit Partnern überleben. Die mittelständisch geprägte Branche braucht neue Kapitalgeber, um den Sprung ins Ausland zu schaffen.
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Erst mussten die Hersteller von Solarmodulen dran glauben. Jetzt erreicht die brutale Neuordnung des Ökostrom-Marktes die sogenannten Projektierer. Also die Unternehmen, die ihr Geld damit verdienen, dass sie Solar- und Windparks planen, bauen, verkaufen oder selbst betreiben. Der mittelständisch geprägten Branche droht ohne neue Kapitalgeber das Aus.

Juwi, Phoenix Solar oder Wirsol haben ähnliche Fehler gemacht wie viele deutsche Hersteller von Solarmodulen. Erst waren sie als Pioniere allein in der Welt der erneuerbaren Energien. Sie profitierten von üppigen Förderungen in Deutschland - und sie wuchsen und wuchsen. Der Erfolg machte sie satt und übermütig. Sie verzettelten sich und vernachlässigten, rechtzeitig in Auslandsmärkte zu investieren.

So waren sie zu stark abhängig vom politischen Wohl und Wehe in Deutschland. Umso heftiger traf es sie, als die Bundesregierung vor zwei Jahren die Förderung der Riesensolarparks auf Feldern, Industrie- und Militärbrachen strich. Denn der Markt für riesige Solarparks brach ein. Von diesem Einschnitt haben sich viele Projektierer bis heute noch nicht erholt.

Sie müssen nun möglichst schnell ihr in Deutschland weggebrochenes Geschäft durch Projekte im fernen Ausland ausgleichen. In weit entfernten Märkten wie Asien oder Nord- und Südamerika müssen sie eigene Teams aufbauen. Außerdem brauchen sie ausreichend Kapitalkraft, um dort Großprojekte zu finanzieren.

Know-how lässt sich international gut vermarkten

Das aber überfordert viele der inzwischen abgestürzten Mittelständler. Sie brauchen dringend finanzkräftige Investoren. Der Wind- und Solarpark-Projektierer Wirsol aus Waghäusel bei Karlsruhe etwa hatte das Glück, dass Dietmar Hopp als Langfristinvestor einstieg. Der Mitgründer des Softwarehauses SAP gründete eigens Ende vergangenen Jahres eine Firmengruppe, um im Geschäft mit erneuerbaren Energien mitzumischen.

Nicht nur visionäre Einzelinvestoren wie Milliardär Hopp sehen im Projektgeschäft noch Chancen -auch der Mannheimer Stadtwerkekonzern MVV Energie. Er gehört zu den heißen Kandidaten, die bei der Juwi-Gruppe einsteigen könnten. Denn das Unternehmen aus Wörrstadt braucht frisches Geld, um zu überleben. Es ist hochverschuldet und schreibt rote Zahlen.

Das Know-how im Projektgeschäft lässt sich international gut vermarkten. Viele Länder wie China haben sich in den vergangenen Jahren vor allem auf die Produktion von Solar- und Windkraftanlagen konzentriert, aber das Projektgeschäft vernachlässigt. Da ist deutsches Wissen gefragt. Vor allem in Ländern mit derzeit stark wachsenden Märkten wie Japan, Nord- und Südamerika oder im Mittleren Osten. Schade nur, dass viele Mittelständler den Sprung in die Weltliga nicht alleine schaffen. In anderen Branchen wie dem Maschinenbau zeigen sie ja, das es geht.

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