Polen
Kohle geht vor Klimaschutz

Europa könne nicht ohne Kohle leben, so Polens Umweltminister. Andere Quellen als Stein- und Braunkohle könnten für das Land lediglich als Ergänzung funktionieren.
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BerlinAusgerechnet das Gastgeberland der Weltklimakonferenz bremst beim Klimaschutz: Polen produziert 90 Prozent seines Stroms aus Braun- und Steinkohle, nur in Südafrika und der Mongolei ist der Anteil höher. Und im Land an Ostsee und Oder arbeiten gut 100.000 Menschen in Bergwerken, Kohlegruben und Kohlekraftwerken. "Europa kann nicht ohne die Kohle", gibt deshalb Polens Umweltminister Marcin Korolec, der Verantwortliche für die Klimakonferenz in Warschau, die Linie für sein Land vor.

Premierminister Donald Tusk nannte kürzlich heimische Stein- und Braunkohle die "Grundlage der Energieerzeugung", andere Quellen wie Erneuerbare oder das erste in Planung befindliche Atomkraftwerk Polens seien bloß "Ergänzungen".

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Polen gehört damit zu den schlimmsten Klimasündern in der EU. In Belchatow steht das größte Wärmekraftwerk Europas und zugleich das größte Braunkohlekraftwerk der Welt. Es ist Europas größter CO2-Emittent. Zudem sind die meisten polnischen Kohlekraftwerke stark veraltet. Greenpeace Polska hat deshalb die Aktion "Kohle tötet" gestartet. Politisch wird sich dennoch kaum etwas ändern, denn im Land von Kohle und Kumpels stehen die ansonsten regierungskritischen Gewerkschaften aufseiten von Tusk. Und die Unternehmen sowieso: Fast alle Energiekonzerne gehören mehrheitlich dem Staat.

Hubert Weiger, Vorsitzender des deutschen Umweltverbandes BUND, fordert von der Bundesregierung nun, Polen beim Klimaschutz mehr Unterstützung anzubieten. "Nur wenn Polen die erneuerbaren Energien entschlossen ausbaut und weit stärker als bisher auf Energieeinsparungen setzt, wird auch die Europäische Union als Ganzes ihre Klimaschutzziele erreichen können", sagte Weiger.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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