Rückbau in Mülheim-Kärlich
Endzeitstimmung im Atomkraftwerk

Es ist ein Symbol für das Ende der Atomkraft in Deutschland: Am Rhein bei Koblenz wird seit Jahren das AKW Mülheim-Kärlich zurückgebaut. Am Netz war es kurioserweise nur 13 Monate, die Abwicklung dauerte Jahrzehnte.
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Mülheim-KärlichEinst hatte ein Falke an der Fassade des Kühlturms am Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich seinen Horst. Mittlerweile wurde er umgesiedelt und lebt in der Nähe auf einem Funkmast. Seine alte Bleibe war das AKW, aber das wird zurückgebaut. Am Netz war es nur 13 Monate, vor 25 Jahren kam das gerichtliche Aus. Der Rückbau der riesigen Anlage bei Koblenz ist das letzte Kapitel einer eigenwilligen Geschichte.

Noch ist der Kühlturm, der mit 162 Metern 5 Meter höher ist als der Kölner Dom, im gesamten Neuwieder Becken zu sehen. In den kommenden Jahren wird der Betonkoloss nach und nach verschwinden, wie die Sprecherin von Kraftwerksbesitzer RWE Power, Dagmar Butz, sagt. „Dann ist die Anlage weitgehend aus der Wahrnehmung geräumt.“ Einst arbeiteten hier 650 Menschen, nun sind es noch etwa 60 für RWE und 80 für andere Firmen. Es herrscht ein Hauch von Endzeitstimmung auf dem Areal.

Rückblick: Im Dezember 1972 wurde der Genehmigungsantrag gestellt, am 18. August 1987 ging die Anlage ans Netz. Nach nur 13 Monaten wurden sie nach einer Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts abgeschaltet. Die Gefahr einer unterirdischen Verwerfungslinie - einer Bruchstelle im Gestein - war nicht ausreichend berücksichtigt worden. Offiziell hieß es in der Begründung: Eine Teilgenehmigung des Kraftwerks ist wegen eines Verfahrensfehlers nicht rechtskräftig.

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Kurt Sesterhenn, Leiter für die Überwachung des AKW, umschreibt das folgendermaßen: „Es war ein formaljuristischer Fehler beim Genehmigungsverfahren.“ Die Verwerfungslinie sei direkt unter dem ursprünglich geplanten Standort des Reaktorhauses gewesen und hätte zu Rissen führen können. Daraufhin wurde das Haus um ein paar Meter versetzt. Diese Änderung wurde aber nicht in die erste - bereits erteilte - Teilgenehmigung der Anlage eingefügt. Erst in der zweiten Teilgenehmigung wurde die Verschiebung berücksichtigt - mit Folgen.

Es entwickelte sich ein langer Rechtsstreit, der im Jahr 2000 mit dem Beschluss der rot-grünen Bundesregierung zum Ausstieg aus der Kernenergie hinfällig wurde. Bis Sommer 2002 kamen die 209 Brennelemente in die französische Wiederaufbereitungsanlage La Hague, die Reste lagern mittlerweile in Gorleben. Seit Juli 2002 gilt die Anlage als kernbrennstofffrei, der Abbruch begann 2004.

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