Solarbranche

Mehr Mut, bitte!

Kunden müssen bei Solarenergie umdenken. Sie sollten mehr von ihrem Strom selbst verbrauchen, statt ihn teuer subventioniert ins Netz einzuspeisen.
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Solaranlage auf dem Dach: Die Bundesregierung hat die Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt. Quelle: dpa

Solaranlage auf dem Dach: Die Bundesregierung hat die Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt.

(Foto: dpa)

Ein jeder von uns kennt das: Es ist schwer, einmal lieb gewonnene Gewohnheiten zu ändern. Das gilt in besonderem Maße für die deutsche Solarbranche. Viele Jahre lang haben sich die Verbraucher daran gewöhnt, dass es eine gute Sache ist, sich eine Solaranlage aufs Dach zu schrauben. Denn die war so etwas wie eine moderne Form des Sparbuchs. Jede Kilowattstunde Strom, die ein Häuslebauer produzierte, konnte er direkt ins Netz einspeisen. Er erhielt dafür einen attraktiven Preis – und das 20 Jahre lang garantiert.

Doch die Zeiten sind vorbei, zum Glück! Die Bundesregierung hat die sogenannte Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt. Viele Verbraucher sind deshalb verunsichert. Nach Rekordwerten wird die Zahl der neu installierten Solaranlagen dieses Jahr in Deutschland voraussichtlich massiv einbrechen.

Das liegt auch daran, dass der Paradigmenwechsel in der deutschen Solarbranche bei vielen Kunden immer noch nicht angekommen ist: Denn das muntere Drauflosproduzieren von Solarstrom mit einer hochdotierten Abnahmegarantie ist endlich vorbei. Jetzt geht es darum, den Strom vom Dach nicht ins Netz zu jagen, sondern ihn selbst zu verbrauchen.

Mit intelligenten Steuerungen zum Erfolg

Das erfordert ein Umdenken. Wer sich stärker selbst versorgen will, braucht ein Komplettsystem, vom Modul über den Wechselrichter bis zum Speicher. Vor allem braucht er eine intelligente Steuerung. Sie muss dafür sorgen, dass die grüne Energie immer dann zur Verfügung steht, wenn er sie für den Betrieb der Waschmaschine oder des Fernsehers braucht.

Erneuerbare Energien nutzen
huGO-BildID: 17623366 In this photo taken on March 28, 2010 and released by the Shanghai Pacific Institute for International Strategy on Wednesday, A
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Die Nachfrage ist da: Die Erzeugung erneuerbarer Energien kann die Umweltverschmutzung reduzieren und die Versorgungslage verbessern. Dennoch tun sich viele Länder schwer damit, erneuerbare Energien effektiv und kosteneffizient in bestehende Netze zu integrieren. Ein Überblick der Herausforderungen und Lösungen in verschiedenen Ländern.

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Alles unter Kontrolle?

2012 wendete Deutschland 24 Milliarden Euro für Einspeisungstarife auf, die für Strom aus erneuerbaren Energien einen festen Preis pro Kilowattstunde garantieren. Diese Kosten haben die Begeisterung für erneuerbare Energiequellen abkühlen lassen.

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Ihre Gebote bitte!: Eine weitere Möglichkeit, Energiekosten zu senken: ein Auktionssystem. Brasilien versteigert Windkraftkapazitäten gekoppelt an langfristige Verträge. Durch Versteigerungen von Verträgen mit 20 Jahren Laufzeit konnten die bisherigen Einspeisungstarife um bis zu 20 Prozent gesenkt werden.

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Die Saison ist eröffnet: In Mexiko setzt die staatliche Energieversorgung auf einen Prozess namens „Open Season“: Übertragungskapazitäten sollen auf transparente Weise an private Erzeuger erneuerbarer Energien ausgegeben werden. Bis 2026 will Mexiko 35 Prozent seiner Versorgung mit erneuerbaren Energien realisieren.

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Hindernisse: Die monopolistische Position der Stromnetzbetreiber führt häufig zu hohen Anschlusskosten oder hohen Tarifen für erneuerbare Energien. Das aber hemmt das Wachstum. Um ihre Energieziele zu erreichen, müssen Regierungen weltweit für mehr Transparenz sorgen und die Tarifsituation im Sinne eines fairen Wettbewerbs regeln.

Leider hat die Politik mit ihrer Diskussion über eine Umlage für den Eigenverbrauch in diesem Jahr viele Verbraucher abgeschreckt. Nach dem Motto: Jetzt wird auch noch derjenige bestraft, der Strom selbst produziert. In der allgemeinen Aufregung ist aber untergegangen, dass kleine Anlagen von der neuen Abgabe ausgenommen sind.

Die allgemeine Verwirrung macht nicht nur der Solarindustrie auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen das Leben schwer. Denn Unternehmen wie Solarworld versuchen, sich mit intelligenten Lösungen von den großen asiatischen Konkurrenten im Massenmarkt abzuheben.

Deutschland braucht mehr Selbstversorgung

Die Verwirrung verstellt auch den Blick darauf, dass die weitgehende Selbstversorgung mit Solarstrom die Chance bietet, ein wesentliches Ziel der Energiewende umzusetzen: Der Strom entsteht nicht mehr wie früher in großen Kraftwerken, die zentral Tausende Kunden beliefern. Sondern er entsteht in Tausenden kleinen Ökostromkraftwerken überall in Deutschland, ganz dezentral.

So können Haushalte sich – zumindest zum Teil – unabhängig machen von ihren klassischen Stromlieferanten in ihrer Region. Außerdem ist es für viele schon heute billiger, ihren Strom selbst zu produzieren. Es ist also an der Zeit für ein Umdenken im Solarpionierland Deutschland!

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