Speicherkraftwerk unter Tage
Neue Chance für ausrangierte Zechen

Ohne bezahlbare Stromspeicher stößt die Energiewende an ihre Grenzen. Pumpspeicherkraftwerke können helfen, lassen sich über Tage aber nur schwer durchsetzen. In ausrangierten Zechen würde das anders aussehen.
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Bottrop/EssenDer Steinkohleabbau in Deutschland endet unwiderruflich 2018, aber die riesigen unterirdischen Schacht- und Stollenanlagen der ausrangierten Zechen bekommen vielleicht eine zweite Chance: Unter Tage in mehr als 600 Metern Tiefe ist viel Platz für Pumpspeicherkraftwerke - Stromspeicher, die derzeit händeringend gesucht werden. „Von der Technik her kann das klappen. Wir haben kein K.o.-Kriterium gefunden“, sagt der Essener Professor für Wasserbau André Niemann, der das Projekt zusammen mit einer Forschergruppe geprüft hat. Problematisch sind aber die Finanzen: Beim jetzigen niedrigen Börsenstrompreis rechnen sich die hohen Baukosten für die unterirdischen Stromspeicher nicht.

Wie sicher Pumpspeicherkraftwerke funktionieren, lässt sich seit vielen Jahren zum Beispiel am Hengsteysee südlich von Dortmund besichtigen. Dort steht seit 1930 eine von Deutschlands ältesten noch laufenden Anlagen. Wenn Strom reichlich vorhanden und damit billig ist, wird Wasser durch riesige Rohre gut 160 Meter hoch in einen Obersee gepumpt. Bei Bedarf flutet es zurück in den See, treibt dabei Turbinen an und erzeugt so mehrere Stunden lang Strom.

Das Kraftwerk ist im Prinzip eine riesige Batterie, die große Energiemengen beliebig lange speichern kann, sich in rund 60 Sekunden auf Volllast hochfahren lässt und dabei etwa 80 Prozent Wirkungsgrad hat - genau das richtige für die im Gigawattbereich schwankenden Stromerzeugungskapazitäten der Wind- und Solarparks. Fünf bis sechs neue Pumpspeicherkraftwerke in NRW bis 2025 fordert deshalb der Grünen-Landtagsfraktionschef in NRW, Reiner Priggen.

Große Neubauprojekte gibt es durchaus - etwa ein 500-Millionen-Euro-Vorhaben des Stadtwerkeverbundes Trianel im ostwestfälischen Höxter oder zwei Projekte von jeweils über 300 Megawatt der Düsseldorfer Stadtwerke und des Regionalversorgers Enervie im Sauerland.

Doch die Baupläne stoßen auch in weniger dicht besiedelten Gebieten auf heftigen Widerstand, wie Versorger mehrfach erleben mussten: Im Sommer 2013 gab Trianel ein 700-Millionen-Euro-Projekt am Rursee in der Eifel angesichts von Bürgerprotesten auf. Ablehnung von Umweltschützern schlägt auch dem geplanten Speicherkraftwerk Atdorf II in Südbaden entgegen, für das zwei insgesamt 110 Hektar große Seen und eine 75-Meter-Staumauer gebaut werden müssten.

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Rot-Grün treibt die Pläne voran

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